Baja Sur

Around Oaxaca

El Tule

Bäume, vor allem große und alte, faszinieren die Leute überall auf der Welt. Nach den höchsten Bäumen der Welt (Redwoods) und den voluminösesten (Sequoias) stehen wir nun in einem kleinen Dorf 12 km östlich von Oaxaca de Juárez vor dem breitesten Baum der Welt. Diese mexikanische Sumpfzypresse wird auf ein Alter von mehr als 1.400 Jahren geschätzt und hat an der weitesten Stelle einen Stammdurchmesser von 14 Metern. Es sieht fast so aus, als seien hier mehrere nebeneinander stehende Bäume ineinandergewachsen. Die Krone ist riesig, das Blätterdach dicht und grün. Trotz ihres Alters und der Lage auf einem gepflasterten Platz wirkt der Baum erstaunlich vital. Um ihn zu schützen, wurde offenbar der Verkehr umgeleitet und eine Umgehung für die Autos geschaffen. Zusammen mit einer Kirche aus dem 17. Jahrhundert befindet sich der Baum in einem umzäunten Areal. Der Eintritt kostet 20 MXN; man kann ihn aber auch sehr gut von außen sehen. Drumherum haben sich die üblichen Restaurants, Artesanía-Läden und Touristenläden angesiedelt.

Tule

Mitla

Hier sind wir eher durch Zufall gelandet. Nachdem wir den Versuch, mit dem Panda zu den Pueblos Mancomunados zu fahren, abgebrochen hatten, brauchten wir eine Ausweichmöglichkeit. So sind wir in Mitla gelandet. Neben der Ausgrabungsstätte von Mitla konnten wir kostenlos parken. Über Nacht wurden wir auf dem Parkplatz eingeschlossen; das stellte für uns allerdings kein Problem dar. Am nächsten Morgen, bevor die großen Touristenbusse eintreffen, schauen wir uns die Ruinen an. Diese sind deutlich kleiner als die von Monte Albán. Als die Spanier das Gebiet eroberten, plünderten sie Teile der Tempel, um daraus eine Kirche zu bauen, die heute zwischen den beiden Teilen des Areals steht. Was diese Ruinen auszeichnet, sind die kunstvollen Ornamente, die sowohl die Innenhöfe als auch die Außenwände schmücken. Vieles, was man sieht, ist nicht mehr original, sondern restauriert oder nachgebaut. Der Eintrittspreis von 210 MXN scheint für alle von der INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia) verwalteten Kulturstätten gleich zu sein. Man ist hier in weniger als einer Stunde durch. Rechnet man zwei Übernachtungen auf dem umzäunten Parkplatz hinzu, finden wir den Preis akzeptabel. Für den Nachmittag entscheiden wir uns, nach Matatlán zu fahren, wo gerade das Gran Festival de Mezcal stattfindet. Wir nehmen Bus und Collectivo und lassen den Panda auf dem sicheren Parkplatz zwischen den Touristen-Shuttles stehen.

Mitla

Matatlan

Von Mitla nach Matatlán gibt es keine Direktverbindung, auch nicht während des Festivalwochenendes. So nehmen wir den Bus nach Tlacolula und steigen dort in eines der Taxis ein, die als Collectivo zwischen Tlacolula und Matatlán pendeln. Pro Strecke und Person zahlen wir 35 MXN, das sind weniger als 2 EUR. Am Ortseingang empfängt einen ein großer Torbogen mit einem kupfernen Destillierkessel — willkommen in der Welthauptstadt des Mezcal. Die Taxis halten nur eine Querstraße vom Zócalo in Matatlán entfernt. Hier ist ein großes Zelt aufgebaut und die Straßen um den Platz sind vollgestellt mit kleinen Fahrgeschäften und Essensständen. Wir machen erst einmal Mittagspause unter einem Baum neben der Kirche. Von der einen Seite schallen Gesänge aus der Kirche, von der anderen unterstützt eine Musikkapelle die Tanzaufführungen mit Live-Musik. Wir schauen eine Weile den Tanzaufführungen zu und fragen uns irgendwann, ob das schon das gesamte Mezcal-Fest ist. An Mezcal mangelt es nicht. Die Gruppen verteilen fleißig hochprozentige Getränke an alle, die welche möchten und alt genug sind. Später hilft auch noch der Sicherheitsdienst dabei und läuft mit einem 10-Liter-Kanister auf dem Rücken durch die Stuhlreihen. Das ist eine ungewöhnliche Art, den eigenen Arbeitsplatz zu sichern.

Irgendwann beschließen wir, noch eine Runde durchs Dorf zu gehen. Dabei finden wir dann auch das eigentliche Gran Festival de Mezcal. Am Ende einer Straße ist ein großes Zelt aufgebaut, in dem bestimmt drei Dutzend Hersteller ihre Produkte anbieten. Mezcal bietet dabei eine größere Vielfalt als Tequila. Je nach Agavenart und Lagerung können ganz unterschiedliche Geschmacksvarianten entstehen. Wer nicht gut destilliert, mischt das Ganze einfach mit Sahne und Aromen und stellt so einen Cremelikör her. Wir probieren uns ein wenig durch. Auch wenn die Proben immer sehr klein sind, kommen am Ende dann doch ein paar Schnäpse zusammen. Die Cremeliköre sind überhaupt nicht mein Ding. Ganz gut schmecken die Mezcalitas, bei denen der Mezcal mit Maracuja oder anderen Früchten gemischt wird.

Vor der Bühne liegen derweil bestimmt 20 Agavenherzen zur Begutachtung. Jedes ist ungefähr einen Meter hoch und erinnert an einen grünen Tannenzapfen. Gesucht wird heute die Agave mit dem höchsten Zuckergehalt. Je mehr Zucker in der Agave, desto besser wird der Mezcal. Die Prämien für die Gewinner sind riesige Gärfässer, in denen die Agaven fermentiert werden können.

Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Rückweg nach Mitla. In Tlacolula, gegenüber der Haltestelle für die Busse nach Mitla und Oaxaca, befindet sich auch der Busbahnhof, von dem aus die Collectivos nach Cuajimoloyas fahren. Direkt neben der Haltestelle, von der die Taxis nach Matatlán abfahren, finden wir auch noch einen bewachten Parkplatz. Wir fragen, was es kosten würde, den Panda für vier Tage dort unterzustellen. So finden wir doch noch eine Möglichkeit, zu den Pueblos Mancomunados zu gelangen.

Matatlan

Hierve el Agua

Übersetzt bedeutet “Hierve el Agua” etwa “das Wasser kocht”. Auf den Bildern sieht man natürliche, blaue Becken, aus denen das offensichtlich mineralhaltige Wasser über die Klippe fließt und riesige, versteinlichte Wasserfälle bildet. Wir lassen uns vom Namen täuschen und denken an heiße Quellen. Nach drei Tagen Wanderung in den Pueblos Mancomunados hätten unsere Beine eine schöne Wärmekur bitter nötig. Wer weiterliest, erfährt, dass die Becken kalt sind und der Name daher rührt, dass an mehreren Stellen Wasser aus der Erde sprudelt und so aussieht, als würde es kochen.

Eigentlich wollen wir auf dem Parkplatz übernachten, doch das ist momentan wohl nicht möglich. So landen wir bei Agua Colorada. Der Eigentümer hat ein paar Becken angelegt, in denen dasselbe Wasser wie in Hierve el Agua plätschert. Am nächsten Morgen machen wir trotzdem den Spaziergang zu den großen Becken und vor allem zu den versteinerten Wasserfällen und springen auch einmal ins Wasser. Der Ausblick und die Kalksteinformationen sind die 50 MXN definitiv wert. Man sollte allerdings morgens kommen, wenn die Sonne noch nicht so hoch steht und die großen Reisegruppen noch nicht angekommen sind. Wir entscheiden uns, noch eine Nacht bei Agua Colorada zu bleiben und genießen am Abend einen Pool ganz für uns allein.

Aqua