Ontario

Redwoods

Coastal Redwoods

Kurzer Abstecher in die Biologie. Die Coastal Redwoods sind die höchsten Bäume der Welt. Sie überragen sogar ihre Verwandten, die Sequoia Redwoods, die weiter im Inland zu finden sind, diese Bäume werden dafür im Umfang größer. Ihren Namen haben die Bäume von der rotbraunen Farbe von Rinde und Holz. Diese Farbe kommt vom hohen Tanningehalt. Dieser, zusammen mit der enorm dicken Rinde, macht die Bäume resistent gegen Insekten, Moose und Feuer.

Diese Widerstandsfähigkeit kann ihnen ein langes Leben von manchmal über 2000 Jahren bescheren, wenn sie nicht vorher abgeholzt oder vom Blitz getroffen werden. Letzteres kann dazu führen, dass der Baum von innen heraus ausbrennt. Aber selbst das, oder wenn er vom Wind entwurzelt wird, muss noch nicht das Ende dieses Baumes sein. Redwoods vermehren sich nicht nur über Samen, sondern auch über Knospen, die sie in Knollen am Baum bilden. Nimmt der Primärbaum Schaden, entstehen um ihn herum aus den Knospen genetisch identische neue Bäume. Auch Jahrzehnte später, nachdem der ursprüngliche Baum schon lange verwittert ist, kann man anhand des Rings neuer Bäume noch sehen, wo er mal stand.

Diese Bäume sind einfach faszinierend, man fühlt sich inmitten dieser Riesen einfach winzig klein.

Redwood

Jenner Headlands Preserve

Auf unserem Weg auf der 1 Richtung Norden wollten wir nochmal ein bisschen wandern gehen. Unsere Wahl fiel auf den Jenner Headlands Preserve. Der freundliche Ranger am Eingang hat uns vorgeschlagen, unsere geplante Route um einen Abstecher zum Cathedral Tree zu erweitern.

Vom Parkplatz aus starten wir auf dem Sea to Sky Trail. Die ersten Kilometer sind steil und mitten in der Sonne. Hier gibt es zunächst keine Bäume, sondern nur Weideland. Man muss durch mehrere kuhsichere Drehkreuze in den Zäunen, bis man an den Waldrand gelangt.

Hier wird es kühler und weniger steil. Wanderer, die uns entgegenkommen, haben wohl sogar einen Luchs gesehen, aber bis wir an die Lichtung kommen, hat der sich schon wieder versteckt. Etwa einen Kilometer in den Wald hinein steht dann der Redwood, den sie Cathedral Tree nennen. Er ist etwas dicker als seine Nachbarn und hat eine Vielzahl von recht großen Ästen. Diese sind teilweise fast so groß wie die umliegenden Bäume.

Man könnte nun dem Trail noch weiter folgen bis auf den Pole Mountain. Das wären aber noch einige hundert Höhenmeter und etwa sechs Kilometer mehr bis zum Gipfel. Wir drehen um und machen an der Bank am Waldrand noch eine Pause. Immer mehr Kühe schleichen sich aus dem Wald auf die grüne Wiese. Abgesehen vom Pazifik im Hintergrund könnten wir jetzt auch irgendwo im Voralpenland sein.

Wir rollen den Berg über den Coastal Prairie Loop runter zum Parkplatz. Insgesamt ist die Strecke 10 Kilometer lang mit 390 Höhenmetern.

Alps

Avenue of Giants

Es geht immer weiter an der Küste entlang nach Norden. Irgendwann biegt der Highway 1 ins Landesinnere ab und bei Leggett geht er in die 101 auf. Ab hier ist man mitten in den alten Redwood-Beständen. Auf dem Redwood Highway geht es weiter nach Norden.

Es ist ein klassischer Roadtrip. Überall entlang der Straße gibt es Attraktionen, für die es sich mal mehr, mal weniger lohnt anzuhalten. Für die Bäume, durch die man durchfahren kann, sind wir zu groß, warum man das tun sollte, ist eh fraglich.

Alles hier hat irgendeine Verbindung zu den Redwoods. Vor dem Eingang von Confusion Hill, einem kleinen Freizeitpark, steht die höchste freistehende Redwood-Kettensägen-Skulptur der Welt. Sie zeigt zweimal drei Clownbären, die aufeinander stehen. Die Statue wie der gesamte Park könnte mal wieder einen Anstrich vertragen.

Insgesamt hat die Gegend wohl schon mal bessere Zeiten gesehen. Seit dem Tourismusboom sind wohl ein paar Jahrzehnte vergangen. Einige Attraktionen wie das World Famous Treehouse haben die Zeit nicht überdauert. Andere erhalten den alten Charme und die nächsten haben einiges in die Erneuerung gesteckt.

Wir kommen noch am Grandfather und Immortal Tree vorbei und stoppen auch beim One Tree House. Hier kann man sich einfach überraschen lassen, welche Verrücktheit hinter der nächsten Kurve auftaucht.

Zwischen Phillipsville und Pepperwood kann man auf die 254 wechseln, die Avenue of Giants. Die Highlights und bedeutendsten Bäume und Stationen sind durch die Auto-Tour-Schilder gekennzeichnet. Es sind insgesamt acht Stationen. Diese Tour ist eine gute Orientierung, wenn man die Bäume vor lauter Wald nicht mehr sieht. Wir machen Mittagspause in der Picknick Area vom Visitor Center (Auto-Tour #3).

Es lohnt sich eigentlich immer auszusteigen und einfach über die Wanderwege zu streifen. Es gibt viel zu entdecken und es sind nicht immer die ältesten oder höchsten Bäume, die am spannendsten sind. Hier sollte man definitiv nicht einfach durchrauschen, sondern sich Zeit zum Entdecken nehmen.

Avenue

Elk Prerie Redwood National and State Park

Richtig, es geht weiter nach Norden. Vorbei an Eureka (soll schön sein, haben wir aber ausgelassen) und Arcata (toll zum Laufen) geht es zum nördlichen Teil des Redwood National and State Park.

Auf dem Weg zum Elk Prairie Visitor Center machen wir einen Halt beim Trillium-Wasserfall. Über einen kleinen Wanderweg kommt man zum Wasserfall. Der Name kommt von den Trillium-Blumen, die jetzt überall anfangen zu blühen.

Was hier auffällt, ist, dass es deutlich mehr Farne zwischen den Redwoods gibt und die anderen Bäume von Moos bewachsen sind. Auf der Rinde der Redwoods hält das nicht. Den Grund haben wir bei der Fahrt schon gesehen. Vom Meer drücken Nebelbänke in den Wald und versorgen ihn mit deutlich mehr Wasser als die Wälder weiter südlich.

Simon fühlt sich wie auf Endor und hält Ausschau nach Ewoks. Tatsächlich wurden Teile von Star Wars Episode 6, Die Rückkehr der Jedi-Ritter, hier im Park gedreht.

Bevor wir es uns auf dem Campingplatz gemütlich machen, geht es noch auf eine kurze Wanderung zum Corkscrew und Big Tree, dem Korkenzieher und dem Großen Baum.

Auf der großen Lichtung in der Nähe des Visitor Centers und des Campingplatzes gibt es eine Population von Hirschen, die sich je nach Lust und Laune zeigen oder eben auch nicht. Am nächsten Tag stehen wir früh auf und laufen eine Runde über die wunderbaren Waldwege.

Hier und in vielen anderen Nationalparks gibt es ein Ranger-Programm. Oft sind es geführte Spaziergänge. Die sind meistens nicht weit, aber immer spannend und informativ. Jede und jeder Ranger bringt ganz eigene Themen ein und es gibt wirklich keine zu dumme Frage.
Hier: Was hat es mit den Banana Slugs auf sich?

Elk

Banana Slug

Der geheime Star dieser Wälder sind nicht die Bäume, sondern eine Nacktschnecke. Banana Slugs sind knallgelb, ein bisschen größer als die Nacktschnecken, die man im Garten findet, aber nicht ganz so groß wie die selteneren Leoparden-Nacktschnecken.

Das bringt ihnen Platz zwei auf der Rangliste der größten Nacktschnecken, aber definitiv Platz eins für die Farbwahl.

Bei einem rangergeführten Spaziergang lernen wir dann auch noch, dass diese Schnecken für die meisten Tiere ungenießbar sind. Sie sondern einen Schleim ab, der zwei Funktionen hat. Zum einen bildet er einen Kokon für die Schnecke, der sogar Magensäure standhält, und zum anderen schäumt er auf, was den meisten Tieren den Magen umdreht.

Als Fotomotiv sind sie trotzdem mindestens genauso beliebt wie die Bäume.

In den Visitor Centern des National Parks gibt es nicht nur Sticker und Magnete mit der Schnecke, sondern auch Plüschtiere. So viel Ruhm, Ehre und Zuneigung kriegt man als Schnecke eher selten. Es hilft aber auch, dass diese Exemplare niemandem im Garten den Salat wegfressen.

Banana