Ontario

Southern Ontario

Canada Post

Die Gewerkschaft der kanadischen Post ist gut vernetzt und streikfreudig. Am 25. September eskaliert ein Streit über eine vom zuständigen Minister angekündigte Reform des Postwesens. Es sollen Kosten eingespart werden, indem entlegene Poststellen geschlossen oder zusammengelegt werden. Die Gewerkschaft ruft zu einem landesweiten Streik auf und der Brief- und Paketverkehr steht still. Auch unser Paket steckt fest. Wir verfolgen, wie es aus Franken nach Amsterdam kommt und schließlich nach Toronto fliegt. Wir entscheiden uns, einfach ein bisschen Süd-Ontario zu erkunden und zu hoffen, dass der Streik früh genug vorbei ist. Am 10. Oktober wechselt die Gewerkschaft zu einem rotierenden Streik. Jede Woche wird irgendwo anders gestreikt. Irgendwann sehen wir, dass das Paket in der Poststelle angekommen ist, zu der wir es geschickt haben, und fahren auf Verdacht hin. Die nächste Hürde: Eigentlich ist es nicht vorgesehen, Pakete direkt an Poststationen zu schicken, wenn man keine kanadische Adresse hat. Dieses Mal lässt man es uns durchgehen, aber nicht noch einmal. Ist für uns okay. Dann bekommen wir endlich unser Paket. Es steckt völlig durchnässt und mit Stockflecken in einer Plastiktüte, auf der sich die kanadische Post für den Zustand entschuldigt. Man habe es so in der Paketverarbeitung vorgefunden. Zum Glück war alles doppelt verpackt. Soviel zu unserer Erfahrung mit Canada Post.

Post

St Catherines

Wir haben uns mal wieder von einer Schwimmhalle und einem Parkrun leiten lassen. Erst mal eine Runde ins Wasser und praktischerweise befindet sich im selben Gebäude auch noch die Bibliothek. Der Parkrun findet am Welland Canal statt. Wir übernachten in der Nähe der Schleuse und staunen nicht schlecht, wie groß die Schiffe sind, die den Kanal zwischen dem Lake Ontario und dem Lake Erie passieren. Für uns gibt es jeweils eine neue PB, und Joe läuft allen davon und verbessert seinen eigenen Streckenrekord. Tatsächlich ist er aber eher ein Fan von Trails als von Asphalt und lädt uns ein, am nächsten Morgen bei einem Schuhtestlauf mitzumachen. Also bleiben wir noch einen Tag in der Stadt und stehen am nächsten Morgen um 8 Uhr mit zehn anderen Leuten im Wald. Es gibt drei Runden, und wir können bei jeder ein anderes Paar Schuhe ausprobieren. Es ist schon etwas anderes, Schuhe wirklich im Gelände zu testen und nicht nur im Laden. Uns taugt nur eines der Paare, vielleicht finden wir das irgendwann mal reduziert. Diese Läufe sind auch immer eine gute Gelegenheit, die besten Tipps für Parks und Laufstrecken zu bekommen. Es gibt am Lake Erie mehrere Provincial Parks, wir wissen nur nicht, welchen wir ansteuern sollen. Uns wird Turkey Point empfohlen.

Catherines

Turkey Point Provincial Park

Der Name passt zum Datum, denn es ist kanadisches Thanksgiving. Anders als in den USA wird Thanksgiving in Kanada am zweiten Montag im Oktober gefeiert. Es wird nicht so groß gefeiert wie in den USA, aber auch hier versammelt sich die Familie um einen Truthahn. Für uns gibt es keinen Vogel zum Abendessen, dafür aber ein Lagerfeuer auf dem Campingplatz, nachdem wir den Camper mal wieder von oben bis unten durchgeputzt haben. Im und um den Park herum gibt es unzählige Mountainbike-Trails. Die sind etwas spannend zu laufen, weil sie sich durch den Wald winden und es ständig rauf und runter geht. Wir finden aber auch einen Weg hinunter zum Strand am Lake Erie.

Turkey

Norfork

Über die Warteliste haben wir zwei Startplätze für einen Lauf in London, Ontario, bekommen. Das gibt für die nächsten Tage Richtung und Zeitplan vor. Wir müssen nicht hetzen und schippern gemütlich durch Norfolk. Hier ist die Gemüsekammer von Ontario. Am Straßenrand kann man sich wunderbar mit allem eindecken, was es an Gemüse gibt. Als die Felder größer werden, entdecken wir einige Pflanzen, die wir zunächst nicht identifizieren können. Das eine stellt sich als geschossener grüner Spargel heraus, das andere ist Ginseng. Da es mit Stellplätzen wieder schwierig ist, übernachten wir erneut bei Harvest Hosts. Auf der Dancing Pig Farm gibt es statt Schweinen Hühner und Enten – und einen wunderbaren Gemüse- und Blumengarten. Leider hat es in der Woche zuvor gefroren, und die meisten Blumen sind eingegangen. Hier lernen wir ein paar tolle neue Pflanzen kennen. Zum einen Tomatillos. Aus diesen Früchten wird in Mexiko grüne Salsa hergestellt, man kann sie aber auch roh oder gekocht wie jedes andere Gemüse verwenden. Das andere sind spezielle Walnüsse. Die Schale ist so hart, dass man mit einem normalen Nussknacker nicht weit kommt. Dafür schmecken sie deutlich intensiver. Wir haben viel Spaß dabei, uns durch den Garten zu probieren und mit unseren Gastgebern über die Unterschiede zwischen europäischen und nordamerikanischen Sorten zu sprechen. Danach sind wir bestens mit Gemüse und Knoblauchrelish eingedeckt.

DancingPig

Der nächste Stopp ist ein Milchviehbetrieb. Hier probieren wir zum ersten Mal Cheese Curds. Wir haben sie schon öfter gesehen, wollten aber nicht die Supermarktvariante kaufen. Je frischer sie sind, desto besser sollen sie sein. Die kleinen Käseknubbel liegen von der Konsistenz irgendwo zwischen Weingummi und warmem Halloumi. Unsere Variante mit Geschmacksrichtung Gewürzgurke ist ein leckerer Snack, aber irgendwie auch nicht so spannend, dass wir sie noch einmal kaufen müssten.

Glen

Städtequartett

Wir müssen nicht viel Strecke machen und haben deshalb Zeit für eine Runde Städtequartett. Unsere Route legen wir so, dass wir an möglichst vielen toll klingenden Städten und Ortschaften vorbeikommen. Bamberg ist irgendwie kleiner als in unserer Erinnerung, in Mannheim finden wir den Abzweig zur Fähre nach Altrip nicht, und in Neustadt gibt es weder Hexen noch Elefanten noch rasende Reporterinnen. Spaß macht es trotzdem. Den ein oder anderen Wald zu durchwandern gibt es zwischendurch auch immer wieder.

Staedte

London, Ontario

Nach London hat uns das Phoenix Trail Race verschlagen. Es gibt hier einige Schwimmbäder, und eines hat sogar eine 50-Meter-Bahn. Das, in dem wir waren, hat ein Becken in Form eines Wals. Auch durch dieses London fließt ein Fluss und es ist tatsächlich der Thames River. Die Tower Bridge konnten wir allerdings nicht finden. Warum hat Queen Victoria die Hauptstadt eigentlich nicht hierher verlegt, sondern nach Ottawa? An seinem Ufer gibt es einen gut ausgebauten Fahrradweg. So können wir die Räder nehmen, um unsere Startunterlagen abzuholen – und gleich noch beim Community Run mitzumachen. BackRoads Brews + Shoes ist ein Laden für Laufequipment und eine Bar – keine schlechte Kombination. Tatsächlich holt sich Simon hier auch ein neues Paar Schuhe. Den Freitag nutzen wir zum Sightseeing. Mit den Rädern geht es in die Innenstadt. Im Zentrum gibt es eine Markthalle (Covent Garden Market), durch die man schlendern kann und alles Mögliche bekommt: von Kunsthandwerk über Kaffee, Tee und Snacks bis hin zu italienischer Pasta. Wir statten dem Victoria Park noch einen Besuch ab und streifen ein bisschen durch die Innenstadt. Ein Hauch britisches Flair kommt dann doch noch auf, als wir vor dem Middlesex County Courthouse stehen.

London