Phoenix Trail Race
- Kirsten
- October 18, 2025
- trail running
Phoenix Trail Race
Als uns klar wurde, dass das mit den Paketen wohl noch etwas länger dauern wird, haben wir uns nach Läufen in der Gegend zwischen Detroit und Hamilton umgeschaut. Dabei sind wir auf das Phoenix Trail Race gestoßen. Der Lauf war zwar schon ausverkauft, aber wir haben uns auf die Warteliste setzen lassen. Alle Startplätze, die frei werden, gehen an die Leute auf der Liste – und wer sich am schnellsten registriert, bekommt den Platz. Nach ein paar Versuchen schaffen wir es tatsächlich beide, einen Startplatz zu ergattern.
Es gibt zwei Optionen: einmal um den See, 25 km, oder zwei Runden, also 50 km. Ich entscheide mich für die 50 km, weil ich befürchte, sonst im Ziel zu stehen und noch eine Runde machen zu wollen. Im Nachhinein stellt sich das als Fehler heraus. Aber fangen wir vorne an.
Der Lauf findet in der Fanshawe Conservation Area statt, einem Naherholungs- und Naturschutzgebiet am gleichnamigen Stausee nordöstlich von London. Die Strecke führt einmal um den See. Ein kleines bisschen Straße, ansonsten schöne Waldwege und Singletrails – mit ein paar fiesen Schleifen. Bei der Verpflegung kann der Lauf es fast mit dem Rennsteig aufnehmen. Allerdings ist hier das Wundermittel nicht Haferschleim, sondern schokolierter Bacon.
Die erste Runde läuft gut. Wir bleiben bis Kilometer 20 zusammen und kommen gut voran. Das Wetter ist fantastisch, die Strecke gut ausgeschildert, und sowohl die Leute auf als auch an der Strecke haben viel Spaß. Ich starte noch mit einem ganz guten Gefühl in die zweite Runde, merke aber schon, dass ich dafür wohl etwas länger brauchen werde als für die erste.
Bei Kilometer 30 wird klar, dass das hier heute mehr Kampf als Spaß wird. Der Akku läuft plötzlich ziemlich schnell leer. Da helfen auch keine Quetschies, Isodrinks oder Gels mehr. Bei Kilometer 40 geht es endgültig in den Überlebensmodus – aber Aussteigen ist jetzt auch keine Option mehr. Zehn Kilometer gehen irgendwie immer. Und die Helferinnen am Streckenrand sind fantastisch.
Bei Kilometer 48 denke ich kurz, ich fange an zu halluzinieren. Neben der Strecke sitzt eine Schildkröte, die so auch in Jurassic Park auftauchen könnte. Bestimmt 40 cm lang und kein bisschen rund und niedlich, sondern gespickt mit Stacheln und Kanten. Schnappschildkröten gab es in ähnlicher Form schon in der Kreidezeit. Denen sollte man lieber nicht die Finger hinhalten, sonst sind die ab.
Diese zweite Runde waren die härtesten 25 Kilometer, die ich je gelaufen bin. Und ich war selten so froh, im Ziel zu sein. Am Ende springen nach 5:26:51 Platz vier bei den Damen und Platz zehn gesamt heraus. Hätte ich nur eine Runde gemacht und wäre mit Simon (Platz 15) nach 2:21:45 ins Ziel gekommen, hätte ich den ersten Platz bei den Damen holen können.
Im Ziel gibt es erst einmal Suppe, Chips und belegte Brote zum Aufpäppeln. Leider bleiben nicht viele der Läuferinnen und Läufer noch dort, und so wird es schnell ziemlich leer im Zielbereich.
Alles in allem ein toller Lauf. Die Strecke ist super – auch wenn ich auf die zweite Runde diesmal besser verzichtet hätte.