Quebec City
Der Name der Provinz und der Stadt Québec leitet sich von der Bezeichnung ab, die die Algonquians für die Gegend haben. Sie nennen sie Kébec, „wo der Fluss sich verengt“.
Als die ersten französischen Siedler im 16. Jahrhundert hierher kamen, wurde daraus Québec.
Heute hat die Stadt mehr als 500.000 Einwohner und ist geprägt durch viele Gebäude im europäischen Stil. Besonders das Château Frontenac und das Parlamentsgebäude lassen einen denken, man sei wieder in Europa.
Seit 1985 ist die historische Altstadt von Québec Weltkulturerbe. Die Festungsanlagen um die Altstadt sind außerdem die einzigen erhaltenen Stadtmauern nördlich von Mexiko.
Es ist eine dieser Städte, durch die man einfach schlendern kann und dabei immer wieder etwas entdeckt.
Sainte‑de‑Beaupré
Wir machen noch zwei Stopps, bevor wir ins Zentrum von Québec City fahren. Wir kommen aus Nordosten über die 138 und halten in Sainte‑de‑Beaupré, denn die dortige Basilika soll besonders schön sein.
Die katholische Kirche im neoromanischen Stil ähnelt vielen Basiliken in Europa und sticht damit in Nordamerika hervor. Für uns wirkt sie fast zu perfekt: Es gibt kaum Patina oder Witterungsspuren an der Fassade.
Das liegt daran, dass der Bau dieser Basilika erst 1926 begann und 1946 fertiggestellt wurde. Vielleicht sehen einige Teile von Notre‑Dame in Paris heute auch so aus.
Sainte‑de‑Beaupré ist aber schon seit dem 17. Jahrhundert eine Pilgerstätte für Kranke und Menschen mit Behinderungen. Viele erhoffen sich Heilung durch die heilige Anna, die Mutter Marias. Die lange Pilgertradition und die der heiligen Anna zugeschriebenen Heilungen machen die Basilika von Sainte‑de‑Beaupré zu einer der wichtigsten Pilgerstätten Kanadas und Nordamerikas.
Es kommen aber nicht nur Pilger und Touristinnen hierher. Sainte‑de‑Beaupré scheint auch ein beliebtes Ausflugsziel für Rennradfahrer zu sein. Es ist Wochenende und gutes Wetter; in einem kleinen Café direkt neben der Basilika stehen diverse Rennmaschinen, und die Besitzerinnen und Besitzer trinken Kaffee in der Sonne.
Vielleicht holen wir hier ja bald wieder die Fahrräder heraus.
Chute Montmorency
Dieser Stopp war nicht geplant. Wir wussten, dass es diesen Wasserfall gibt, sind dann aber spontan von der Autobahn abgefahren.
Der Park kostet Eintritt, aber die 6,30 CAD pro Person (umgerechnet ca. 4 €) sind es wert. Der Montmorency mündet hier in den Sankt‑Lorenz‑Strom; auf den letzten Metern stürzt er 83 Meter in die Tiefe. Das sind 30 Meter mehr als bei den Niagarafällen, die Wassermenge ist allerdings deutlich geringer.
Es gibt zwei Möglichkeiten, zum oberen Ende des Wasserfalls zu gelangen: Entweder man kauft ein Ticket für die Seilbahn (ca. 15 CAD Hin‑ und Rückfahrt) oder man geht die 487 Stufen zu Fuß.
Wir spazieren am See entlang und nehmen die Treppe, die sich entlang des Hangs nach oben windet. Da es Wochenende ist und die Sonne scheint, ist es recht voll. Oben angekommen erkennen wir, dass es noch eine dritte Möglichkeit gibt, hierher zu gelangen: einen Parkplatz.
Wir streifen durch den Park und über die Brücke, die den Wasserfall überspannt. Wer noch einen Adrenalinkick sucht, kann die Zipline ausprobieren (32 CAD). Wir genießen die Sonne und picknicken, bevor wir uns wieder an den Abstieg machen.
Im Winter gefriert der See unterhalb des Wasserfalls, und die Gischt bildet einen Eis‑ und Schneehügel, der bis zu 30 Meter hoch werden kann und den Spitznamen Pain de sucre (Zuckerhut) trägt. Schon Bilder aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigen, wie Leute den Hang hinunter rodeln.
Es ist ein toller Ort, um noch einmal zu entspannen, bevor es in die Stadt geht. Alternativ kann man auch mit dem Fahrrad aus der Stadt hierher fahren oder die öffentlichen Verkehrsmittel (Zug oder Bus) nutzen. Bei dem Verkehr, den wir erlebt haben, und wenn man nicht ohnehin gerade vorbeifährt, sind Fahrrad oder ÖPNV oft die besseren Alternativen.
Übernachten in Québec
Québec City ist die erste große Stadt, in der wir auf unserer Reise übernachten wollen. Die Neufundländer würden jetzt einwenden, dass wir doch in St. John’s waren. Die Stadt dort ist aber nicht so groß, und die Neufundländer sind zu camperfreundlich, als dass das ein großes Problem gewesen wäre.
Québec City mit seinen über 500.000 Einwohnern ist da doch eine andere Größenordnung. Wir entscheiden uns für einen Parkplatz südlich der Innenstadt zwischen der Ausfallstraße 136 und einer Bahnlinie, die zum nahegelegenen Hafen am Sankt‑Lorenz‑Strom führt. Der Parkplatz liegt auf Flussniveau, die Innenstadt auf einem Plateau etwa 90 Meter höher.
Klingt auf den ersten Blick nicht ideal, ist aber als Ausgangspunkt für den nächsten Tag perfekt. Der Parkplatz ist bei Campern sehr beliebt, sodass bis zum Abend eine kleine Wagenburg entsteht, die ungefähr den halben Parkplatz einnimmt. Ich hoffe, die Besucher des nahen Tennisclubs bleiben weiterhin so tolerant und finden noch genug Platz zum Parken.
Der größte Vorteil dieses Platzes sind die Fahrrad‑ und Fußwege, die hier direkt anschließen. Einer führt in beide Richtungen entlang des Flusses, der andere hinauf zu den Plaines d’Abraham, einem Park, der direkt an die Innenstadt von Québec grenzt.
Sightseeing beim Laufen
Wir entscheiden uns, Québec laufend zu erkunden. Wir haben nicht viel Lust auf Museen und wollen einfach eintauchen.
Die ganze Tour habe ich im Laufblog zusammengefasst. Kurzversion: Wir folgten zunächst dem Fahrradweg am Fluss in Richtung Innenstadt, um dann die älteste Holztreppe Quebecs zu erklimmen. Diese verbindet den tiefer gelegenen Hafen mit dem östlichen Teil der Plaines d’Abraham.
Von dort ging es kreuz und quer durch die Innenstadt und die Altstadt, einmal um den Yachthafen und dann zurück zur Zitadelle und durch den Park. Man könnte die 15 Kilometer auch als Spaziergang machen.
Fahrrad fahren in Québec
Überall sind Menschen mit Fahrrädern unterwegs — vom Rennrad bis zum E‑Bike ist alles dabei. Wenn hier schon so ein schöner Weg direkt vor der Haustür ist, will ich ihn auch ausprobieren.
Ich packe also mein Fahrrad aus und ziehe los. Mein Plan ist, auf der Nordseite des Flusses bis zur Pierre‑Laporte‑Brücke zu fahren, dort den Fluss zu queren und auf der anderen Seite bis Lévis zu radeln. Dort gibt es eine Fähre, die zum alten Hafen von Québec City fährt.
Auf der Nordseite gibt es einen fantastischen Fahrradweg. Dieser ist nicht nur vom Autoverkehr getrennt, sondern auf weiten Strecken auch von den Fußgängern. Der Asphalt ist top und es gibt quasi keine Steigung, bis ich zur Brücke muss.
Leider hat man auf der anderen Seite nicht denselben Luxus und ich muss die Straße wieder mit den Autos teilen. Nach ein paar Kilometern entscheide ich mich, umzukehren und den entspannten Weg zurückzufahren.
Entlang der Nordseite des Flusses gibt es mehrere Parks mit Picknickplätzen. Hier kann man die Sonne genießen, lesen und den Schiffen zuschauen. Am nächsten Morgen parken wir um und frühstücken an einem dieser Parks, bevor wir weiter Richtung Montréal fahren.