St Lawrence

Entlang des Sankt-Lorenz-Strom

La Route des baleines

Die Straße 138 zwischen Tadoussac und Natashquan ist als Straße der Wale bekannt. Im Sommer lockt der krill- und fischreiche Sankt-Lorenz-Strom alle Arten von Meeressäugern an. Mit etwas Glück kann man hier Seehunde, Delfine und Orcas bis hin zu Finn-, Pott- und sogar Blauwalen beobachten. Entlang der Straße gibt es verschiedene Ausstellungen, Beobachtungspunkte und natürlich viele kommerzielle Anbieter für Waltouren. Die Nähe zu den dichter besiedelten Teilen Kanadas und den USA führt im Sommer wohl zu Massen an Touristen und Campern. Man merkt es daran, dass entlang der Strecke die Möglichkeiten zum Wildcampen deutlich abnehmen und die “No Overnight Parking”-Schilder zunehmen. Wir sind für die großen Wale zu spät dran. Aber auch im September gibt es noch einiges zu entdecken. Wir folgen der 138 von Baie-Comeau nach Süden.

Für ein kleines Mittagessen oder einen Nachmittagskaffee können wir das P’tite Cochonne in Les Bergeronnes empfehlen. Ein süßes kleines Café, das auch kleine Pizzen frisch backt und einen gemütlichen Garten hat. In Cap Colombier übernachten wir an einem Wanderparkplatz und spazieren am Morgen zum Wasser. Hier gibt es eine große Holzplattform am Wasser, die zum Picknicken oder zu einer Runde Yoga einlädt.

Baleines

Tadoussac

Es ist eine Touristenfalle, aber eine sehr schöne — die Souvenirläden haben noch nicht überhandgenommen. Nördlich des Dorfes liegen die Dunes de Tadoussac. Die Sanddünen grenzen an einer Seite an dichten Wald und fallen in den Sankt-Lorenz-Strom ab. Sie sind ein beliebtes Beobachtungsgebiet sowohl für Wale als auch für Vögel. Wir nehmen unser Frühstück mit und wandern zum Aussichtspunkt des Sentier des Dunes de Tadoussac. Von hier aus sehen wir auch den Leuchtturm Phare du Haut-Fond Prince, der auf jeder Touristenbroschüre der Côte-Nord abgebildet ist — meist ikonisch mit einem springenden Wal davor. Durch die Ferngläser können wir nur ein paar Vögel ausmachen. Einige Touristenboote ziehen Kreise und versammeln sich; ob sie einen Wal oder nur Seehunde gefunden haben, können wir nicht erkennen. Aber das Frühstück erhält 10 von 10 Punkten in der Kategorie Aussicht.

Wir fahren ins Dorf, und in der Touristeninformation bekommen wir einen Tipp, wo es kostenlose Parkplätze gibt — begrenzt auf drei Stunden, aber immerhin. Von dort aus machen wir eine Wanderung zum Mont Adéla-Lessard. Den Kassenautomaten am Anfang des Wanderwegs ignorieren wir. Nach 3,5 Kilometern und 350 Höhenmetern bietet sich uns ein toller Ausblick über Tadoussac und die Mündung des Saguenay in den Sankt-Lorenz-Strom. Entlang des Fjords gibt es wohl einen längeren Wanderweg. Der Beluga Ultra Trail findet jedes Jahr im September statt und bietet Strecken von 1,5 bis 45 Kilometern an. Leider sind schon alle Plätze vergeben und Ummeldungen sind nicht mehr möglich, sonst wären wir noch ein paar Tage geblieben.

Wir spazieren noch ins Dorf und die Strandpromenade entlang. Ein Wanderpfad führt zur Mündung des Saguenay-Flusses, und dort sehen wir plötzlich weiße Rücken aus dem Wasser auftauchen: Eine Gruppe Belugas tummelt sich in der Flussmündung. In der Sonne sitzen und Wale beobachten — das Leben kann so einfach sein.

Ansonsten gibt es ein sehenswertes Hotel, das den Stadtnamen trägt, und direkt daneben steht die Kirche. Man sollte hier vorbeischauen, wenn es nur für die Belugas ist. Als Camper muss man abends allerdings die Stadt verlassen oder auf einem der Campingplätze in der Nähe übernachten.

Tadoussac

Route du Fjord - La Baie

In Tadoussac gibt es zwei Möglichkeiten für die Weiterfahrt: Entweder setzt man mit der Fähre über den Saguenay über und fährt weiter auf der 138 Richtung Québec City, oder man folgt der 172 in Richtung der Stadt Saguenay. Wir entscheiden uns für den Landweg, um einen Blick in den Fjord werfen zu können. Ich kenne die Fjorde Norwegens und war gespannt, wie sich dieser Fjord in Kanada einordnen lässt.
Seit fast 200 Jahren befahren Schiffe den Saguenay und den Sankt-Lorenz-Strom, um Touristen aus den Städten in die Natur zu bringen. Legendär waren die “White Boats”, die von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts die Flüsse befuhren. Heute sieht man die kleinen bis mittelgroßen Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen. Wir laufen den Sentier de Eucher und genießen die grandiose Aussicht. Wenn man nicht extra von Kanada bis nach Norwegen fahren möchte, ist das hier ein schöner Ort, um sich einen Fjord anzuschauen. Auch wenn er nicht mit der Höhe oder Schroffheit Norwegens mithalten kann, bietet er zumindest einen Vorteil: besseres Wetter. In La Baie liegt die Viking Mars am Pier, und an der Promenade des kleinen Ortes tummeln sich die Touristen. Wir streifen durch den Ort und genießen die Sonne. Vermutlich wäre ohne Schiffe deutlich weniger los.

Fjord

Baie-Saint-Paul

Wir nehmen die 381, um weiter Richtung Québec zu kommen. Es geht kurvig rauf und runter. Wir streifen den Parc national des Grands-Jardins. Die Parkplätze sind so voll — es ist Wochenende — dass es hier wohl tolle Wanderrouten gibt. Wir sind von den letzten Tagen etwas platt und passen. Baie-Saint-Paul ist wieder ein beliebter Touri-Spot. Die Cafés und Restaurants sind voll, und am Strand ist auch einiges los. Segelflugzeuge werden von einer kleinen Piste aus gestartet, Kanuten fahren den Fluss hinunter, und ein Kite-Surfer genießt den Wind. Ein schöner Strandtag, bevor es danach erst mal in die großen Städte geht.

Beach