Baja Sur

Puebla

Puebla

Vollständig heißt die Stadt Heroica Puebla de Zaragoza und sie ist Hauptstadt des Bundestaates Puebla. Dass hier 1,5 Millionen Menschen leben, merkt man gar nicht so stark. Die Stadt ist recht weitläufig und wirkt deshalb nicht so überbevölkert. Im Zentrum gibt es viel zu entdecken. Am Zócalo steht die beeindruckende Kathedrale von Puebla. Direkt daneben befindet sich die älteste Bibliothek Amerikas; sie wurde bereits 1646 gegründet und hat eine tolle Fasade, die typisch ist für Puebla. Wir sind an einem Samstagnachmittag unterwegs und überall in den Straßen stehen Händler und verkaufen alles von selbstgemachtem Schmuck und Kunst über die typischen Souvenirs bis zu Flohmarktartikeln. In der Iglesia Santo Domingo gibt es eine sehr beeindruckende Kapelle. Die Capilla del Rosario ist mal wieder komplett in Gold gehalten und funkelt einem entgegen. Ansonsten lohnt es sich einfach durch die Gassen zu streifen. Es gibt überall tolle Gebäude in Rot, Rosa und Brauntönen, die einen tollen Kontrast zu den blau-weißen Kacheln bieten, die überall eingearbeitet sind.

Sonntag früh gehen wir eine Runde laufen und entscheiden uns für den Parque Ecológico. Die Straßen zum Park sind so früh morgens ziemlich leer. Im Park gibt es parallel zueinander laufende Fahrrad- und Laufbahnen, die einen Dreikilometer-Rundkurs bilden. Hier ist am Sonntagmorgen viel los. Radfahrerinnen und Läufer sind überall. Es gibt sogar auch noch ein Schwimmbecken im Park. Zu den üblichen Sonntagssportlern kommen heute auch noch diejenigen, die an einem 3- bzw. 5-Kilometer-Lauf teilnehmen, Leitspruch: Lasst die Pfunde purzeln. Auf dem Rückweg in die Innenstadt sind die Straßen sogar noch leerer. Die große Zufahrtsstraße zum Park ist für den Autoverkehr gesperrt. In den größeren Städten lohnt es sich immer zu schauen, ob es am Wochenende Straßensperrungen gibt, die man zum Laufen oder Fahrradfahren nutzen kann.

Puebla

Policia Touristico

In Mexiko gibt es so viele verschiedene Uniformierte, dass es für uns schwierig ist, zu identifizieren, wer wofür zuständig ist. Es gibt immer eine lokale Polizei, die sich um das Alltägliche zu kümmern scheint. Die Elite scheint die Guardia Civil zu sein, die immer bis an die Zähne bewaffnet ist und eher finster dreinblickt. Dann gibt es in den Städten, wo es viele Touristen gibt, noch die Policía Turística. Der Hauptunterschied zu den anderen ist, dass sie lachen und freundlich schauen dürfen. In Puebla haben sie ein besonders großes Herz für die Overlander entwickelt. Wir dürfen direkt neben der Polizeistation für drei Tage parken. Dafür müssen wir ein bisschen Papierkram ausfüllen, was aber eher beruhigt, dass man in dieser Stadt nicht verloren geht, ohne dass die Polizei davon was mitbekommt. Wir dürfen auch die Toiletten im Gebäude benutzen und sie bieten uns sogar an, die Duschen zu nutzen. Nach einem Lauf am Sonntagmorgen nehmen wir das Angebot gerne an. Auch Tipps zum Sightseeing bekommen wir zuhauf. Bevor wir weiterfahren, backen wir ihnen noch einen Kuchen. Wir hatten das Gefühl, dass diese Leute wirklich Spaß daran haben, Overlander in ihrer Stadt zu beherbergen.

Policia

Chile en Nogada y Mole Poblano

Es gibt zwei Gerichte, die man in Puebla ausprobieren soll. Das eine ist Chile en Nogada, die es nur zwischen Juli und September gibt, und das andere ist der Klassiker zu allen Jahreszeiten, Mole Poblano. Chile en Nogada ist gerade das Gericht, mit dem alle Restaurants groß Werbung machen. Die Preise variieren je nach Lage und Größe der angepriesenen Portion. Wir entscheiden uns für ein Restaurant in einer der Straßen abseits des Zentralen Platzes (Zócalo), in dem aber einige Tische mit Einheimischen besetzt sind. Aber was ist das jetzt eigentlich? Für eine Chile en nogada füllt man eine große Chile Poblano Schote mit einer Mischung aus Hackfleisch und Trockenfrüchten. Die Schote wird anschließend durch einen Teig gezogen und ausgebacken. Das Ganze wird dann mit einer Nuss-Sahne-Sauce übergossen und mit Granatapfelkernen garniert. Das klingt schon mächtig; es ist auch. Ich brauche danach erstmal einen Spaziergang, um dem Magen zu helfen, alles zu verarbeiten. Die Mole Poblano ist nicht weniger sättigend. Mole ist eine Sauce, die zu Fleisch gereicht wird. Je nach Region gibt es sie in verschiedenen Geschmacksvariationen. Was sie alle gemein haben, ist, dass sie sehr reichhaltig sind und immer eine süßliche Note haben. An diesem Abend haben wir bestimmt genug für zwei Tage gegessen. Meine Empfehlung: Eine Chile en Nogada für zwei Personen und dazu noch einen Salat bestellen. Das reicht in den meisten Fällen aus.

Chile

Cholula

Ungefähr 15 Kilometer westlich von Puebla liegt das Dorf Cholula. Mittem im Ort liegt auf einem Hügel die Iglesia de Nuestra Señora de los Remedios. Nur dass dies kein Hügel ist, sondern die volumenmäßig größte Pyramide der Welt. An Sonntagen ist der Eintritt ins Museo Regional de Cholula für alle frei. Wir nehmen den Bus (Avenida 6 Poniente Ecke Calle 13 Norte, 10 MXN) und fahren bis zur Kreutzung der Bahnschienen und der Hauptstraße Calle 12 Oriente. Von dort folgen wir den Bahnschienen ein Stück und biegen dann ab zum Museum. Von hier aus sieht es tatsächlich aus wie ein grüner Hügel, vor dem wir stehen. Es lohnt sich durch das Museum zu streifen. Cholula lag an einer der antiken Handelsrouten und es wurden in den Ruinen der Pyramide Artefakte aus allen umliegenden Regionen Mexikos gefunden. Hier wird auch erklärt, wie die Pyramide so groß wurde. Anders als die ägyptischen Pyramiden wurde in Cholula nicht von Anfang an auf Größe gebaut. Die Arbeiten am ersten Tempel begannen vermutlich 200–300 Jahre vor Christus. Dieser hatte eine Grundfläche von 190 x 190 Metern und war 34 Meter hoch und hatte dieselbe geographische Ausrichtung wie die Tempel in Teotihuacán. Von da an wurde die Pyramide Stück für Stück erweitert und umgebaut; es wurden sieben Hauptbauphasen identifiziert. Zur Blütezeit im 8. Jahrhundert erreichte die Pyramide ihre maximale Größe mit einer Grundfläche von 450x450 Metern (die Cheopspyramide hat 230 Meter Seitenlänge am Sockel). Zu dieser Zeit lebten bis zu 100.000 Menschen in der Stadt um die Tempelanlage. Parallel zu Teotihuacán nahm die Bevölkerung in der Stadt dann dramatisch ab. Die Pyramide wurde nicht mehr erweitert und wurde zu einem Hügel. Erst im 16. Jahrhundert wurde von den Spaniern wieder ein sakraler Bau hinzugefügt. Die Kirche thront heute oben auf dem Hügel und ist es wert, dorthin zu spazieren. Theoretisch sollte man von hier wieder einen tollen Blick auf den Popocatépetl haben, nur dass die Wolken mal wieder sehr tief hängen.

Nach dem Museum steigen wir rauf zur Kirche. Vom Weg aus hat man einen guten Überblick über die archäologische Ausgrabungsstätte, wo noch einige Treppen aus dem Hügel herausragen. Archäologen haben einige Tunnel ins Innere der Anlage freigelegt. Diese konnten bis 2020 auch besichtigt werden; sie wurden nach der Pandemie aber nicht wieder für Touristen geöffnet. Der Himmel hat sich seit Mittag immer weiter gezogen und auf dem Weg nach oben fängt es an zu regnen. Bevor es anfängt zu schütten, können wir aber in der Kirche Unterschlupf finden. Damit sind wir nicht die einzigen. So können wir uns ganz in Ruhe das Innere der relativ kleinen Kirche anschauen. Nach dem ersten Schauer genießen wir noch die Aussicht vom Plateau auf Cholula und Puebla. Was wir auch sehen, ist die nächste Gewitterfront. Wir sehen zu, dass wir vom Berg runter ins Dorf kommen. Am Dorfplatz harren wir dann mit vielen anderen unter dem Arcadengang mehr als eine Stunde aus. Zwischendurch kann man nicht mal mehr die Kirche sehen. Als der Regen abnimmt, wollen wir den Bus finden, um zurück nach Puebla zu kommen. Auf dem Weg zur Haltestelle kommt uns ein Collectivo entgegen, das nach Puebla fährt. Wir steigen ein und bekommen sogar die Plätze ganz vorne. Das Collectivo braucht etwas länger als der Bus, fährt dafür aber auch etwas weiter in die Stadt rein und kostet nur 8 MXN pro Person.

Es gibt noch eine Alternative zu Bus und Collectivo. Auf der Hinfahrt haben wir gesehen, dass einige Spuren der Hauptstraße zwischen Puebla und Cholula für den Autoverkehr gesperrt waren. Man kann also auch mit dem Fahrrad von Puebla nach Cholula fahren. In welchem Zeitraum die Straße gesperrt ist, haben wir nicht rausgefunden. Wir waren bei dem Regenschauer dann aber ganz froh, dass wir nicht mit dem Rad unterwegs waren.

Cholula

Mexiko - England

Auch das Spiel Mexiko gegen England in CDMX wird von einem Gewitter ausgebremst. Der Anstoss wird um eine Stunde nach hinten verschoben. So haben wir noch Zeit, etwas zu Abend zu essen und zum Zócalo in die Innenstadt zu gehen. Die Stimmung ist super und wir haben einen halbwegs guten Blick auf einen der Bildschirme. Das Spiel nimmt richtig Fahrt auf. Die Tore Mexikos werden mit Schaut gefeiert und die Mannschaft wird bis zum Ende angefeuert. “Sí, se pueden.” Rufe schallen über den Platz. Am Ende verliert Mexiko dann aber und ist raus aus dem Turnier. Sehr schade, es hat immer großen Spaß gemacht die Spiele zu schauen.

Mexiko