Baja Sur

CDMX

Paseo Turístico

Auch wenn man nicht nach Mexiko-Stadt reinfährt, wovon wir dringend abraten, muss man sich mit den speziellen Regeln im Umkreis der Stadt auseinandersetzen. Die gesamte Stadt und ihre Umgebung leidet unter zu viel Autoverkehr. Um das zumindest etwas einzudämmen, wurde ein System etabliert, das Fahren nur an bestimmten Tagen erlaubt, basierend auf der letzten Ziffer des Nummernschilds.

Für ausländische Fahrzeuge gelten bei “Hoy no Circular” im Juni 2026 folgende Regeln: 0. Nachts zwischen 22 und 5 Uhr gibt es keine Beschränkungen.

  1. Basierend auf der letzten Ziffer am Nummernschild darf man an einem Tag (Mo – Fr) in der Woche tagsüber von 5 –22 Uhr nicht fahren.
  2. An allen anderen Tagen darf man erst ab 11 Uhr fahren.
  3. Samstags besteht tagsüber ein Fahrverbot, egal welches Nummernschild man hat.
  4. Freie Fahrt am Sonntag. Zusätzlich ist uns nicht ganz klar, wo genau die Grenzen der Bezirke verlaufen, wo diese Regeln gelten.

Es gibt aber eine Lösung mit der man sich viel Rechnerei und Kopfzerbrechen erspart. Man kann online kostenlos ein Paseo Turístico beantragen. Damit ist man für einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen pro Halbjahr von den Fahrbeschränkungen ausgenommen. Der größte Stolperstein ist, dass man eine mexikanische Telefonnummer dafür braucht. Wir haben bis hierhin auf eine mexikanische SIM-Karte verzichtet, müssen uns jetzt aber doch noch eine besorgen. Wir entscheiden uns für die günstigste Methode. Bei Walmart bekommt man umsonst eine SIM-Karte von Bait. Diese physische SIM-Karte kommt sogar mit ein bisschen Startguthaben. Wir haben noch mein altes Handy dabei und reaktivieren es für ein paar Stunden, um mit unserer neuen Nummer das Paseo Turístico zu beantragen.

Paseo

Metro in Mexiko-Stadt

Die schnellste und günstigste Methode, in Mexiko-Stadt voranzukommen, ist die Metro. Eine Fahrt kostet 5 Pesos, was umgerechnet 25 Cent entspricht. Wir müssen für 20 MXN eine Metrokarte kaufen, auf die wir dann Geld für die weiteren Fahrten laden können; eine Fahrt ist schon inklusive. Man kann auch eine Karte für mehrere Personen nutzen, sie sind aber auch ein hübsches Souvenir. Das Metronetz ist recht umfangreich und im Zentrum teilweise fast verwirrend. Jede Linie hat eine eigene Farbe und jede Station hat ein Piktogramm, um auch Analphabeten eine Orientierung zu geben. Die Flughäfen und die großen Busterminals sind alle an das Metro Netz angebunden. Eine Station möchte ich noch hervorheben. Bei La Raza verbindet ein etwa 500 m langer Tunnel die grüne und die gelbe Linie. Hier wurde das Museum Túnel de la Ciencia eingerichtet. Man läuft vorbei an Bildern und Schautafeln die die Entstehung des Universums und die Geschichte der Menschheit erzählen. Hier sollte man nicht durchhetzen, sondern sich Zeit nehmen. Das wäre auch der perfekte Ort, um einen Regenschauer oder ein Nachmittagsgewitter zu überbrücken. Eine andere Option wäre das Metro-Museum an der Station Mixcoac der Linie 12.

Metro

Deutsche Botschaft

Ich hatte ja oben geschrieben, dass wir davon abraten, nach Mexiko-Stadt reinzufahren. Auch wir hatten vor, drum herum zu fahren um dann für einen Tag mit dem Bus reinzufahren. Ein Stück deutsche Bürokratie machte dann aber einen Besuch bei der Deutschenbotschaft notwendig. Damit Leonie die Dokumente dann mit nach Deutschland nehmen kann, blieb nur ein Termin frei bei der Botschaft, den wir nehmen konnten. Jetzt hieß es: Augen auf und durch! Das Übereinanderstapeln von Straßen hatten wir in den USA schon kennengelernt. Hier kamen noch mehr Autos und eine gute Prise mexikanisches Verkehrschaos hinzu. Am besten fährt man nachts oder während ein Spiel der mexikanischen Fußball-Nationalmannschaft bei einer WM läuft. Die erste Halbzeit hatten wir noch im Aztlan Parque Urbano geschaut, während der zweiten haben wir auf unseren Übernachtungsplatz umgeparkt. Zur Botschaft sind wir dann mit der Metro gefahren.

Der Termin ist zum Glück pünktlich fertig und wir verlieren keine Zeit, um aus der Stadt rauszukommen. Am frühen Nachmittag ist schon viel Verkehr, aber zumindest rollt er noch. Wir müssen einmal mitten durch, um im Osten aus der Stadt rauszukommen, und dann vor den beiden großen Vulkanen Iztaccíhuatl und Popocatépetl nach Süden abzubiegen.

Popo Park

In Popo Park, kurz hinter Amecameca, haben wir für das Wochenende eine Ferienwohnung gemietet, wo wir uns mit Leonie und Jonas treffen. Nach 3 h kommen wir in Amecameca an und gehen auf dem wirklich schönen Markt im Stadtzentrum einkaufen. Später am Nachmittag stecken die anderen beiden in einem Collectivo mitten im Verkehrschaos fest. Eine Gruppe von LKW-Fahrern hat die Hauptausfallstraße komplett dichtgemacht und für absolutes Verkehrschaos gesorgt. Zu Fuß und dann mit der Metro umgehen sie irgendwann die Blockade und kommen doch noch nach Popo Park. Das letzte Mal haben wir uns vor 11 Monaten gesehen – verrückt, wie lange wir schon unterwegs sind! Das letzte Mal in einem Haus haben wir in Knoxville, Tennessee geschlafen; das ist auch schon 7 Monate her. Das wichtigste an der Ferienwohnung ist aber das Sofa auf dem man Abends gemeinsam versacken kann.

Das Dorf Popo Park liegt am Fuße des Popocatépetl. Dieser Vulkan und der Iztaccíhuatl etwas weiter nördlich überragen die Umgebung nochmal um 2000 Meter. Beide Gipfel dieser Vulkane liegen über 5000 Metern und sind Nummer zwei und drei im Ranking der höchsten Gipfel Mexikos. Wir kriegen sie nie komplett zu sehen. Die ganze Zeit türmen sich Wolkenberge um die Vulkane und verdecken sie. An einem Tag lichten sich die Wolken ein wenig und wir können eine schneebedeckte Flanke sehen und erahnen, wie monumental diese beiden Berge sind.

In Popo Park selber gibt es nicht viel zu entdecken. Die Seite der Ferienwohnung wirbt mit dem deutschen und italienischen Restaurant um die Ecke, aber da verzichten wir drauf. Das machen wir lieber selbst – Tacos. Ein bisschen die Gegend erkunden und einfach eine entspannte gemeinsame Zeit haben, das ist der Plan für die nächsten zwei Tage. Am Samstag – dank des Paseo Turístico dürfen wir fahren – geht es zum Parque Esmeralda ganz in der Nähe von Amecameca. Wir müssen einen Eintritt von 50 MXN pro Person zahlen. Es ist einer dieser typisch mexikanischen Parks, wo Familien den ganzen Tag verbringen oder auch mal einen Geburtstag feiern. Es gibt Grillstellen mit Tischen und Unterständen, wo man selbst Picknick machen kann, sowie Imbiss- und Getränkebuden für die, die nichts dabei haben. Für uns sind die Wander- und Mountainbikewege spannender. Wir spazieren einfach mal los und folgen mal dem einen und mal dem anderen Weg durch den Wald. Es gibt auch noch eine Weihnachtsbaumplantage hier, inklusive der Metallgestelle, durch die die Bäume geschoben werden, um sie transportfähig in Netze zu verpacken. Die Baumsorten sind hier etwas anders und es gibt auch mehr Auswahl. Eine Nordmanntanne finden wir hier nicht. Bevor wir zurück nach Popo Park fahren, schlendern wir nochmal über den Markt von Amecameca.

Wir wollen nochmal versuchen, einen Blick auf den Vulkan zu erhaschen. Also geht unser Sonntagsausflug nicht an den Hang des Vulkans, sondern nach Juchitepec, das in der anderen Richtung liegt. Von hier aus wandern wir vor allem entlang von Feldern. Gestern standen wir in einem dichten Wald und heute zwischen Agaven, Tomatillos und anderem Gemüse. Am Ende kommt uns auch noch eine Schafherde entgegen. An einem Aussichtspunkt haben wir kurz die Hoffnung, dass eine der Wolkenlücken den Blick freigibt, aber wir erhaschen nur einen kurzen Blick auf eine der Bergflanken. Klare Sicht gibt es wohl nur außerhalb der Regenzeit.

Zum Mittag probieren wir uns einmal durch die Tamales-Auswahl eines Stands an der Straße und genießen einfach einen entspannten Nachmittag. Am Montag geht es für Leonie und Jonas dann schon wieder weiter nach Mexiko-Stadt. Für den Rückweg brauchen die beiden nicht mal ein Drittel der Zeit wie für den Hinweg.

Popo

Teotihuacan

Der Sonnen- und Mondtempel in Teotihuacan, 50 km nördlich von Mexiko-Stadt, ist einer der Punkte, die man besuchen sollte. Die meisten Touristen kommen mit einer geführten Tour von Mexiko-Stadt aus hier her. Für Overlander ist es genau die andere Richtung. Hier übernachten und dann mal einen Tag nach Mexiko-Stadt reinfahren. Aber zunächst treffen wir Leonie und Jonas wieder. Die machen nämlich eine Tour nach Teotihuacan. Da es für die beiden erst mittags losgeht, gehen wir am Morgen eine Runde laufen. Eigentlich zwei Runden, um das Gelände der Tempel herum. Der Eintritt kostet für Touristen 210 MXN. Wer die Anlage und die Aussicht fast für sich alleine haben will steht Punkt 8 Uhr am Ticketschalter und kommt dann als erstes rein. Eine andere Option ist noch früher aufzustehen, um mit dem Heißluftballon über das Gelände zu schweben und sich alles aus der Vogelperspektive anzuschauen.

Wir entspannen etwas im Picknickbereich und erkunden anschließend das Museum sowie den Sonnen- und Mondtempel. Danach warten wir einfach auf der Camino de los Muertos, bis die Gruppe mit den beiden anderen auftaucht. Für die Erläuterungen auf der Plattform des Mond-Tempels mogeln wir uns einfach dazu. Danach hat die Gruppe eine Stunde Freigang und wir laufen zu viert noch zum Templo del Quetzalcoatl im Süden der Anlage. Es wird etwas nass und stürmisch, da das obligatorische Nachmittagsgewitter vorbeizieht. Bis wir wieder am Camper angekommen sind, hat es wieder aufgehört zu regnen und wir sind auch wieder trocken. Am nächsten morgen sehen wir die Ballons über uns hinwegziehen.

Teotihuacan

CDMX

Mit Autobuses Teotihuacan fahren wir rein nach Mexiko-Stadt. Es gibt eine Haltestelle gegenüber des Eingangs 2 der Tempelanlage. Die Busfahrt kostet 81 MXN und dauert ungefähr 1 h bis zum Busterminal Central del Norte, wo man in die Metro umsteigen kann. Die Busse fahren zwischen 6 und 21 Uhr, 365 Tage im Jahr. Für die Rückfahrt muss man ein Ticket am Schalter kaufen, der etwas unscheinbar in der Nähe des Ausgangs 8, linkerhand vom Haupteingang, liegt.

Aber zunächst geht es rein in die Innenstadt. Am Abend wird Mexiko gegen Tschechien spielen, dementsprechend ist unglaublich viel los in der Stadt. Gefühlt trägt jeder zweite ein Mexiko-Trikot. Wir treffen uns ein letztes Mal mit Leonie und Jonas. Wir schauen uns den Eingangsbereich des Museo del Palacio de Bellas Artes an, das dunkelrot im Art Déco erstrahlt. Von da aus schlendern wir weiter in Richtung Zócalo. Was den Templo Mayor besonders macht, ist, dass er mitten in der Stadt zwischen den Häusern liegt – Alt und Neu direkt nebeneinander. Wir schauen ihn uns von außen an und verzichten auf eine Tour. Auf der Fanmeile läuft gerade das Spiel Schweiz gegen Kanada. Es sind noch viele Stunden bis zum Mexiko-Spiel am Abend, aber der Platz ist schon gut gefüllt. In den Seitenstraßen stehen schon Hundertschaften, um später den Platz abzusperren, wenn er voll ist. Wir schlendern noch ein bisschen weiter, kaufen noch ein Paar Ersatzteile und gehen dann bei Taco und Amor essen. Für mich und Leonie gibt es Flautas, die Männer teilen sich ein Kilo Fleisch vom Spieß. An der Metrostation La Raza trennen sich nun endgültig wieder unsere Wege. Für uns geht es wieder zum Busbahnhof und zurück nach Teotihuacan, für die anderen zum Flughafen und zurück nach Deutschland.

Wir haben am Morgen extra noch zum zentralen Platz in San Francisco Mazapa umgeparkt. Hier hatten wir schon vor zwei Tagen eine große Leinwand gesehen und darauf gesetzt, dass hier das Mexiko-Spiel übertragen wird. Unsere Erwartungen werden nicht enttäuscht. Wir kommen gerade noch pünktlich zum Anstoß und die Stimmung ist fantastisch. In der Halbzeitpause mischen wir uns noch Micheladas und trinken nun mexikanisches Bier aus unseren tschechischen Metal-Fest-Bechern. Nach den Bierduschen zu den Toren folgt die Regendusche kurz vor Ende des Spiels. So werden die Jacken wieder sauber. Mexiko gewinnt und wir freuen uns schon jetzt auf die kommenden Spiele.

CDMX