Baja Sur

Von Guadalajara nach CDMX

Charly’s RV-Park

Wir brauchen mal ein paar Tage um Dinge zu reparieren und einfach mal irgendwo zu stehen wo wir uns keine Gedanken machen müssen. Santa Elena ist ein kleines Dorf 100 Kilometer östlich von Guadalajara. Hier hat Charly über Jahrzehnte hinweg auf seinem Grundstück nicht nur ein Restaurant, sondern auch Unterkünfte und einen kleinen Wohnmobil-Campingplatz aufgebaut. Mittlerweile wird der Campingplatz von Denise gemanagt, die hier ebenfalls hängen geblieben ist. Eigentlich wollten wir nur zwei Nächte bleiben, entscheiden uns dann aber noch eine Nacht dran zu hängen. Nach anderhalb Tagen ist der Pander mal wieder durchgeputzt, es regnet nicht mehr rein und die Scharniere des Dachfensters sind jetzt mit Schrauben verstärkt. Mit den in Guadalajara gekauften Dioden können wir auch das Solarpaneel wieder reparieren und zurück aufs Dach montieren. Jetzt steht es auch nicht mehr im Weg. Waschtag war auch noch und so hat der Vorhang zur Fahrererkabine keine Flecken mehr, dafür aber einen ganz leichten Rosastich. Es fühlt sich so an als wenn wir wieder vor die Reparaturwelle gekommen sind. Den Abend lassen wir mit Wolfgang ausklingen der auch ein bisschen Materialermüdung zu beklagen hat und hier auf Ersatzteile wartet. Unseren extra Tag nutzen wir zum Laufen, Entspannen, zur Reiseplanung und zum Fussballschauen. Heute beginnt die WM und wir schauen zusammen das Eröffnungspiel Mexiko gegen Süd Afrika. Die Leistungen beider Mannschaften lassen Spielraum nach oben, aber Mexico startet mit einem Sieg in das Turnier. Das kann noch was werden in den nächsten Wochen. Nach diesen drei Tagen können wir und der Panda wieder durchstarten.

Charly

Anguanuan - Vulkan Paricutin

Wir wollen auf den jüngsten Vulkan in Nordamerika. Der Paricutin entstand erst in den 1940er Jahren. Am 20. Februar 1943 begann an der Stelle, wo heute der Vulkan steht, Lava aus dem Boden zu quellen. Der Ausbruch dauerte 8 Jahre an, türmte einen 420 Meter hohen Vulkankegel auf und die Lava begrub zwei Dörfer unter sich. Da der gesamte Ausbruch sehr langsam von statten ging konnten sich alle Bewohner in Sicherheit bringen. Die Kirche Iglesia de San Juan Parangaricutiro am Rand des erstarrten Lavafeldes steht als letzte Zeugin des Dorfes. Sie ist teilweise durch die Lava zerstört aber auch noch mehr als 70 Jahre später steht der Turm als Mahnmal da.

Auf dem Weg nach Angahuan, wo wir unsere Wanderung starten werden, fahren wir durch Charapan und geraten fast in eine Prozession. Es ist wohl dieses Wochenende Dorffest, das erzählen zumindest die Männer die an der Ausfallstraße Avocados verkaufen. Die Ladefläche des Pickup ist voll mit Avocados, es ist wohl gerade Erntezeit. Kurz überlegen wir, die Pläne nochmal umzuschmeißen, entscheiden uns dann aber doch, weiter zu fahren. Als die Männer für den Beutel Avocados kein Geld haben wollen tauschen wir gegen einen halben Kuchen den wir noch dabei haben. Als wir am Centro Touristico ankommen fängt es an zu regnen. Die Übernachtung auf dem Parkplatz kostet 100 MXN pro Person, aber der Panda kann morgen auch noch den ganzen Tag hier stehen bleiben. Es gibt auch keine anderen Möglichkeiten in diesem kleinen Ort.

Wir starten früh am Morgen und wandern erst mal zur Kirche. Dass wir den Trip zu Fuß machen, ist wohl eher ungewöhnlich. Die meisten Leute nehmen wohl eines der Pferde die überall angeboten werden. Am Rande des Lavafeldes beim Zugang zur Kirche haben sich mehrere Imbisse und Souvenierstände angesiedelt. Hier kann man sich vor oder nach der Wanderung stärken. Die blauen Quesadillas, die uns zum Probieren in die Hand gedrückt werden, schmecken auf alle Fälle gut. Es ist ein bisschen surreal, zwischen den Ruinen der Kirche über das Lavafeld zu klettern. Wenn man sich die Bilder vom Ende des Ausbruchs in Grindavík auf Island 2024 anschaut, kann man sich ungefähr vorstellen, wie sich das Gestein hier durch das Dorf geschoben hat.

Für den Aufstieg wählen wir den Weg über das Lavafeld. Nach der Kirche laufen wir 1,5 Kilometer auf der Zufahrtstraße und biegen dann rechts in Richtung eines Campingplatzes ab. Von hier aus geht es erst durch eine neue Avocadoplantage und dann 3 Kilometer über das schwarze Gestein. Ab hier ist es eher ein Hüpfen von Stein zu Stein und weniger ein zügiges Wandern. Die Landschaft ist surreal und ohne die Markierungen, die den Weg weisen, könnte man sich ziemlich schnell verlaufen. Wir treffen eine Klapperschlange, die sich ziemlich schnell in ihr Loch verkriecht, und eine Gruppe, die von einem Guide angeführt wird. Wir sind kurz etwas irritiert, da die gesamte Gruppe Kletterhelme trägt. Zur Einordnung: hier tragen vielleicht 50 % der Leute auf Motorrädern oder Motorrollern Helme und bei Rodeo gibt es auch nur Sombreros als Kopfschutz. Wir überholen die Gruppe, die gerade Pause macht, und sehen zu, dass wir einen kleinen Vorsprung haben, mit dem wir in den letzten steilen Anstieg gehen. Der Hang des Kegels ist deutlich steiler und besteht aus losem Sand und Geröll. Vermutlich ist die Gruppe wegen dieses Stücks mit Helmen ausgestattet. Allerdings sind die Steine, die abstürzen könnten, nicht sehr groß. Vor allem in kleinen Gruppen ist der Aufstieg auch ohne Helm vertretbar.

Oben angekommen hat man einen tollen Blick in den Krater und in die Ebene. Der Dampf, der überall aus den Löchern wabert, zeigt, dass es immer noch Hitze unter dem Kegel gibt. Es gibt aber keinen Lavasee im Krater. Auf dem Rand laufen wir bis zum höchsten Punkt und machen eine Pause. Für einen kurzen Moment lichten sich auch die Wolken etwas und geben den Blick in die Ebene frei. Bei klarem Himmel muss der Ausblick grandios sein. Für den Rückweg entscheiden wir uns für die technisch einfachere, aber etwas längere Route westlich vom Lavafeld durch die Ebene. Wir schaffen das steilste Stück des Abstiegs, bevor die Gruppe, die uns entgegenkommt, einsteigt. Über Sandpisten und Straßen, die an einer Avocadoplantage neben der nächsten vorbeiführen, kommen wir wieder an der Kirche an. Auf dem letzten Stück zurück zum Camper fängt es dann doch noch erst zu regnen und dann zu schütten an. So kommen wir klatschnass im Centro Turístico an und erheitern so zumindest noch einige der Angestellten.
Diese Tour war insgesamt 23,3 km lang und hatte 750 Höhenmeter. Durch das Sightseeing an der Kirche und das schleppende Vorankommen im Lavafeld waren wir fast 6,5 Stunden unterwegs. Wer nicht ganz zu weit selber Laufen will mietet sich einfach eines der Pferde und lässt sich zum rand des Kraters tragen. Den letzten Teil des Aufstiegs muss man aber selber schaffen.

Anguanuan

Santa Clara del Cobre

Es ist mal wieder Wochenende und wir haben wieder eines dieser Dörfer gefunden, die für einen Wochenendausflug gut sind. In Santa Clara del Cobre glitzert alles kupfern in der Sonne. Wir sind aber erst mal auf der Suche nach einer Bar mit Fernseher, wo das Spiel Deutschland – Curaçao gezeigt wird. Bei Chai Latte und Tee schauen wir das Spiel. Die anderen Gäste sind weniger interessiert. Im Anschluss erkunden wir noch das Dorf, gehen auf dem Markt einkaufen und schlendern durch die Souvenirläden. Vor allem Familien scheinen das gute Wetter für einen Ausflug hierher zu nutzen. Am Ende probieren wir noch Tortas. Wir stellen uns einfach an einen Stand mit einer beachtlichen Schlange und schauen, was wir kriegen. Ich würde es irgendwo zwischen belegtem Brötchen und Döner verorten. Es ist zumindest nichts für Vegetarier und ziemlich lecker.

Clara

Morelia

Mittlerweile haben wir Jalisco verlassen und sind in Michoacán angekommen. Morelia ist die Hauptstadt dieses Bundesstaates und auch hier ist das Fußballfieber ausgebrochen. Der Parkplatz, auf dem wir eigentlich übernachten wollten, ist zu einem großen Eventgelände umgebaut worden. Neben Fahrgeschäften gibt es Zelte mit Essensständen und ein Zelt, in dem Handwerkskunst aus der Umgebung verkauft wird. In einem anderen Teil des Parks gibt es noch eine Zone, in der die Fußballspiele übertragen werden. Am ersten Abend stellen wir uns einfach in eine der Seitenstraßen und fallen nur noch ins Bett. Den nächsten Tag verbringen wir in der Biblioteca Publica Central die ebenfalls im Parque Jardin Planetario ist, und schlendern am Abend über das Gelände und schauen Fußball.

Morelia

Mine Las Dos Estrellas

Auf dem Weg in Richtung Ciudad de México wollten wir eigentlich in Campo Hermoso an einem See für eine Nacht übernachten. Die lokale Polizei scheint damit okay zu sein. Abends um neun ist die Guardia Civil anderer Meinung. Wir sollen woanders hin, am liebsten wäre es ihnen, wenn wir in einem Hotel übernachten. Sie können uns keines in der Nähe nennen und wir wollen nachts nicht weit fahren. So einigen wir uns auf eine Tankstelle an der Hauptstraße.

So fahren wir am nächsten Morgen früh los und kommen so in den Genuss einer Einzelführung in dem Museum der Mina Las Dos Estrellas. Die freundliche Museumführerin erklärt uns viel über die Geschichte dieser einst größten Gold- und Silbermine der Welt. 1899 erwarb der belgische François Joseph Fournier die Schürfrechte für die Mine und baute bis 1935 Gold und Silber ab. Als die ertragreichsten Jahre gelten 1905 bis 1910. In diesem Zeitraum arbeiteten bis zu 5000 Menschen in der Mine und produzierten rund 45 Tonnen der edlen Metalle. Die Arbeiter wurden ausgebeutet und viele starben bei Unfällen oder durch die harten Arbeitsbedingungen. Die meisten wurden keine 40 Jahre alt. Das Gold und Silber wurde hingegen zu Barren gegossen und nach Europa verschifft. Das Gold und Silber musste mechanisch und chemisch aus dem Gestein gelöst werden. 1937 rutschte eine der chemisch kontaminierten Halden bei Starkregen ab und verschüttete den darunter liegenden Flusslauf. Noch heute ist das Wasser nicht trinkbar. Es gibt keinen festgesetzen Eintritt. Man spendet am Ende der Führung einen selbst gewählten Betrag an das Museum. Ein wirklich schönes kleines Museum, mit toll erhaltenden Ausstellungsstücken.

Estrellas

Parque nacional Desierto de los Leones

Nach Westen wird Mexiko-Stadt von einer Bergkette begrenzt. Von Toluca führt die Autopista 15D oder die Bundesstraße 150 nach Osten und direkt nach Mexiko-Stadt. Auf halber Strecke liegt La Venta, ein kleiner Ort, der den Zugang zum Parque nacional Desierto de los Leones bietet. Der Ort besteht zur Hälfte aus einem Parkplatz, auf dem man gegen einen kleinen Obolus den ganzen Tag und auch die Nacht parken kann. Am Nachmittag ziehen wir die Laufschuhe an und machen uns auf, den Park zu erkunden. Wir laufen vorbei am Convento und hoch zum Cruz Blanca. Es gibt leider keinen Ausblick und die Strecke ist härter als gedacht. Das liegt aber weniger an den Wegen als an der Höhe. Der Parkplatz liegt auf 2870 Meter über dem Meeresspiegel und das Cruz Blanca auf 3177 Metern. Da darf einem schon mal die Puste ausgehen. Auch wenn wir uns über die letzten Wochen kontinuierlich vom Pazifik nach oben gearbeitet haben. Im Park gibt es viele tolle Wege, die man sich mit Wanderern und Mountainbikern teilt. Für den Eintritt in manche Bereiche des Parks muss eine zusätzliche Gebühr entrichtet werden. Irgendwie haben wir es aber geschafft, an den Posten immer nur raus und nie rein zu laufen. Man sollte sich hier aber besser nicht auf eine Beschilderung verlassen, sondern selber eine Route auf dem Handy haben.

Am nächsten Morgen machen wir nochmal einen längeren Spaziergang und genießen die frische Luft, bevor wir weiter nach Mexiko-Stadt fahren.

Leones