Baja Sur

Tequila

Die Stadt und die Agaven

Schon seit einigen Tagen sehen wir überall Agavenfelder. Ein Feld beherbergt in akkuraten Reihen Agaven, die alle ungefähr gleich groß sind. Wir lernen später, dass die Agaven acht Jahre wachsen müssen, bis sie geerntet und zu Tequila verarbeitet werden können. Um jedes Jahr ernten zu können, braucht man also acht Felder mit Agaven unterschiedlichen Alters. So ein neues Feld ist also eine Langzeitinvestition. Und man braucht ziemlich viel Fläche. Hier in der Gegend werden fast ausschließlich blaue Agaven angebaut, denn nur aus ihnen darf Tequila gebrannt werden.

Agaven

Tequila vs. Mezcal

Wenn man an Mexiko denkt, kommen einem vor allem zwei Spirituosen in den Sinn: Tequila und Mezcal. Wobei die Unterscheidung eigentlich redundant ist. Jeder Tequila ist ein Mezcal, ein Schnaps auf der Basis von Agaven. Für einen Tequila gelten aber schärfere Regeln, die sogar von einer staatlichen Stelle überwacht werden, Consejo Regulador del Tequila, A.C.. Für die Produktion dürfen nur blaue Agaven verwendet werden, die mindestens 51 % des Zuckers liefern müssen. Zudem werden die Agaven in modernen Autoklaven verarbeitet, was einen klareren Schnaps hervorbringt. Für einen Mezcal gibt es keine Vorgaben zu den verwendeten Agaven, und diese werden meist in Erdöfen verarbeitet, was dem Mezcal eine erdig-rauchige Note gibt.
Natürlich gibt es viele verschiedene Spielarten von Tequila. Generell wird zwischen Mixto und 100 % Agave unterschieden. Das bezieht sich auf den Ursprung des Zuckers in der Produktion. Bei Mixto werden Agave und andere Zuckerarten gemischt. Der Tequila aus 100-%-Agavendestillat darf nur in Flaschen abgefüllt verschickt werden. Nach der Destillation kann der Tequila noch in Eichenholzfässern gelagert werden. Je nach Dauer wird in fünf Kategorien unterschieden. Der blanco Tequila wurde gar nicht gelagert und hat eine klare Farbe; in Deutschland ist er als Silberner Tequila bekannt. Von reposado bis extra-añejo reichen die Lagerdauern von zwei Monaten bis mindestens drei Jahren. Fässer und Tanks mit gelagerten Tequila-Sorten dürfen ebenfalls nur unter Aufsicht geöffnet und abgefüllt werden. Ein Mix aus gelagertem und blanco Tequila ist der joven oder oro; hier dürfen auch Zusatzstoffe wie Zuckerkulör oder Eichenholzextrakt zugesetzt werden. Man sollte also entweder den blanco kaufen oder den reinen gelagerten Tequila ab reposado aufwärts.

Tequila

Die Destillerien

In Tequila gibt es viele verschiedene Destillerien. Die größte und älteste (La Rojeña / José Cuervo) produziert 60–80 Millionen Liter pro Jahr und die kleineren arbeiten eher im Manufakturmaßstab. In der Gegend um die Destillerien riecht es überall süßlich nach den fermentierten Agaven.
Die Agave war schon in der vorspanischen Zeit eine wichtige Kulturpflanze in der Region. Aus ihr wurden Seile, Nadeln und Heilmittel hergestellt. Auch das Herz der Agave wurde schon gegessen sie wurde zu Getränken verarbeitet. So ist es nicht verwunderlich, dass die Spanier im 16. Jahrhundert begannen, einen Schnaps aus der Agave zu brennen. Im 17. Jahrhundert wurde die Tequila-Produktion steuerlich geregelt und damit legalisiert. Die älteste noch heute aktive Destillerie ist La Rojeña, die 1795 gegründet wurde. Wer mehr über die Produktion von Tequila, die Geschichte der Destillerien und die verschiedenen Sorten erfahren möchte, kann eigentlich überall eine Tour buchen. Verkostungen sind in der Regel inklusive.

Wir wären nach einer Verkostung beide vollkommen betrunken und entscheiden uns deshalb, den Stadtkern zu erkunden und es uns am Marktplatz gemütlich zu machen. Hier kann man dem Trubel zuschauen. Es gibt kleine Buden, die wie Bars fungieren, Mariachi-Bands laufen durch die Straßen und verdienen sich ein paar Pesos, und Händler verkaufen alles, was sich bei Touristen halt gut verkaufen lässt. Worauf wir hätten verzichten können, sind die rollenden Fassbusse, die einen Heidenlärm machen und Gruppen durch die Stadt kutschieren.

La Batanga

Ganz ohne Tequila wollen wir den Abend dann aber doch nicht beenden. Wir entscheiden uns dafür, in der ältesten Bar der Stadt vorbeizuschauen. Hier erfand Don Jorge Salles Cuervo in den 1950er Jahren seinen eigenen Tequila (El Tequileño) und den passenden Drink gleich mit: den La Batanga. Ein Cocktail aus mexikanischer Cola (ohne High-Fructose-Corn-Sirup), Tequila blanco und Limette. Von außen wurde an der La Capilla ein tolles Wandgemälde angebracht. Innen sitzen vier junge Männer an einem klapprigen Tisch und spielen Karten. Zwei weitere sitzen an der Bar, neben der sich die Cola-Kisten stapeln. Zum Glück ist noch niemand auf die Idee gekommen, diese Bar hip zu renovieren. Don Jorge ist bereits 2000 verstorben, und die Geschäfte der Bar und der Destillerie werden von seinen Söhnen weitergeführt. Ich bin eigentlich kein großer Fan von Cola, aber diese Kombination schmeckt echt gut. Der Trick ist wohl, mit dem Messer umzurühren, mit dem die Limetten geschnitten wurden. Wer also nicht so sehr auf Tequila pur und auf schicke Cocktailbars steht, ist hier genau richtig, sie sparen hier auch nicht am Tequila.

Batanga

Markt

Am nächsten Morgen gehen wir noch auf den Markt, um einzukaufen. Früh morgens gehört die Stadt den Einheimischen. Es sind kaum Touristen zu sehen da die meisten mit einer Tagestour aus dem nur eine Stunde entfernten Guadalajara kommen. Wir füllen mal wieder unsere Tasche mit jeder Menge frischem Obst und Gemüse. Als grobe Orientierung gilt: Eine Tasche voller Obst und Gemüse kostet etwa 200 MXN / 10 EUR. In einer Cremería gegenüber der Markthalle gibt es noch Käse und Milch. Langsam entwickeln wir ein Gefühl dafür, wo in den Städten die Markthallen zu finden sind. Das Gemüse und Obst ist in den Fruterías, auf den Märkten und auch an den Ständen an der Straße ist um Welten besser als in den Supermärkten. Panadería, Tortillería, Frutería, Cremería – jeder Laden ist auf eine Kategorie spezialisiert. Im Supermarkt kaufen wir eigentlich nur noch, was sonst schwer zu finden ist, zum Beispiel Vollkornmehl oder Mais in der Dose.

Wasserfall mit Swimmingpool

In der Nähe von Tequila gibt es noch einen Wasserfall mit einem Pool zum Schwimmen. Wir stellen das Auto an einem halbfertigen Haus zwischen Agavenfeldern ab und folgen einem Pfad hinunter in den Canyon. Der Weg wird immer steiler und schmaler, bis er in einer kleinen Kletterei am Fuß des Wasserfalls endet. Eine Gruppe Jugendlicher ist schon da, weitere Gruppen kommen und gehen. Jetzt hat es endlich einmal etwas Gutes, dass gerade Regenzeit ist. Allerdings ist das Wasser ziemlich matschig, aber eine willkommene Abkühlung. Als es anfängt zu nieseln, steigen wir wieder zum Auto auf und fahren weiter in Richtung Guadalajara.

Wasser

Update Klimaanlage

Noch ein Update zum Thema Klimaanlage. Wir haben das Diagnose-Tool fürs Auto während der Fahrt angeschlossen und die Temperaturen des Kondensators für die Klimaanlage gemessen. Solange wir fahren, wird die Wärme gut abgeführt. Nur wenn es besonders langsam vorangeht oder wir im Stau stehen, steigt die Temperatur, und damit steigt auch der Druck. Es gibt leider keinen Drucksensor im System.
Fazit: Solange wir fahren, können wir die Klimaanlage nutzen. Wir dürfen nur nicht vergessen, sie im Stadtverkehr auszuschalten.

Klima