Baja Sur

Mazatlán nach Tepic

Mazatlán

Direkt an der Küste ist die Hitze genauso schlimm wie auf der Baja California. Nachdem wir vom Schiff runter sind, parken wir erst mal irgendwo an der Straße, und ich hole etwas Schlaf nach. Wie auch in La Paz gibt es hier eine belebte Strandpromenade. Es gibt etwas weniger Kunst, aber dafür in der Callejón Liverpool eine englische Telefonzelle, einen Mini, ein gelbes U-Boot und ein Denkmal für die Beatles. In Lebensgröße laufen sie, als wären sie auf ihrem wohl berühmtesten Plattencover, über die Straße. Es ist Samstagabend, und die Parks und die Promenade sind voll. Wir sind ziemlich durch und nur froh, als endlich die Sonne untergegangen ist.

Am nächsten Morgen wollen wir dennoch noch einen Sightseeing-Punkt abarbeiten. Wir starten um 6 Uhr früh laufend zum Faro. Am Hafeneingang gibt es einen Berg samt Leuchtturm. Auf 745 Metern länge geht es erst in Serpentinen den Anstieg hinauf und am Ende dann noch einmal über 336 Stufen zum Gipfel. Die 157 Höhenmeter gehen ziemlich in die Beine. Vor allem, weil zwischen unserem Startpunkt im Parque Ciudades Hermanas und dem Hafen schon mal 100 Höhenmeter entlang der Küstenstraße liegen. Entlang des Weges gibt es überall Sitzplätze, die auch von vielen Leuten genutzt werden, die ebenfalls an einem Sonntagmorgen hier hochspazieren. Es gibt auch ziemlich viele Katzen hier am Berg. Meine Theorie ist, dass die Stadtverwaltung die Leute so zu Pausen animieren will. Einmal Katze streicheln ist doch eine Möglichkeit, nicht zeigen zu müssen, dass man außer Atem ist. Für den Rückweg könnte man jetzt die Zip-Line nehmen, die über die Bucht gespannt ist. Warum aber die meisten hier oben sind, ist nicht nur der horizontale Ausblick, sondern auch der vertikale nach unten. Es gibt eine gläserne Aussichtsplattform, die über die Klippe hinausragt. Wir verzichten auf beides und laufen zurück zum Malecón.
Auf dem Anstieg an der Küstenstraße kommen uns bestimmt 20 Leute auf Inlineskates entgegen, die sich die Straße hinunterstürzen. Vielleicht die Hälfte trägt einen Helm und Protektoren sind auch eher sporadisch vorhanden. Zumindest ist heute nicht viel Verkehr, da für einen Triathlon die Straße am Malecón in beide Richtungen gesperrt ist. Die Fahrrad- und Laufstrecke verläuft direkt entlang der Küste. Wir sehen verschiedenste Altersklassen und auch Grade der Professionalisierung. Da teilen sich teure Profimaschinen mit einfachen Stadtrennrädern die Strecke, wobei letztere schnell überrundet werden. Insgesamt geht es hier Sonntag früh kurz nach Sonnenaufgang verdammt sportlich zu. Ab dem späten Vormittag wird man sich auch wieder nicht bewegen wollen. Wir füllen noch unsere Lebensmittelvorräte auf und prüfen die Hupe des Autos. Gute Nachricht: Der Strom kommt an, schlechte Nachricht: Beide Signalhörner sind wohl hin. Online konnten wir einen Termin bei einem Ford-Händler in Tepic ergattern. Also nichts wie weg von der Küste und in hoffentlich kältere Gebiete.

Mazatlán

Acaponeta

Ganz weg von der Küste kommen wir aber erstmal nicht. Bis Tepic verlaufen die Bundesstraßen 15 und 15D in Richtung Süden nicht weiter als 45 Kilometer von der Küste entfernt. Erst ab da geht es weiter nach Osten in Richtung Guadalajara und damit in die Höhe. Der Weg bis Tepic ist für einen Nachmittag zu lang, und wir machen einen Zwischenstopp in dem schönen Städtchen Acaponeta. Wir genießen einen entspannten Sonntagabend am Marktplatz. Nach der ersten Messe des Abends strömen vor allem Familien aus der Kirche, und die Kinder nehmen die Hüpfburgen und elektrisch motorisierte Fahrzeuge in Beschlag. Ab jetzt muss man aufpassen, dass man nicht aus Versehen umgefahren wird – auch wenn die Autos nur bis zum Knie reichen. Eine halbe Stunde später ist die Kirche für die zweite Messe des Abends wieder gut gefüllt.

Acaponeta

Cuota oder Libre

Ich studiere dann doch lieber das mexikanische Mautsystem. Zwischen Mazatlán und Tepic verlaufen die 15 und die 15D. Die Straßen mit D sind Mautstraßen. Auf dem letzten Stück sind wir unfreiwillig auf einer gelandet und mussten beim Abfahren 220 MXN / 11 EUR bezahlen. Unser Eindruck ist, dass die Mautstraße etwas weniger Schlaglöcher hatte, aber vor allem weniger voll war. Es lohnt sich aber, zu schauen, wo die Mautstationen liegen. Man kann nämlich an manchen Abschnitten auf- und abfahren, ohne etwas bezahlen zu müssen. Unsere beiden Navigations-Apps (Apple Maps und Organic Maps) kommen damit nur so semi-gut zurecht und schlagen manchmal extreme Umwege vor oder schicken uns auf Mautstraßen, obwohl diese vermieden werden sollen. Abseits der Mautstraße kann man natürlich besser kleine Zwischenstopps einlegen, zum Beispiel in Magdalena, Los Toriles oder Ixtlán del Rio. Mit oder ohne Maut – das wird später noch mehrfach die Frage sein.
Generell gilt: Zum Umfahren von Großstädten lohnt es sich, in die Maut zu investieren. Und wenn die Einheimischen sagen, nehmt die Mautstraße; auf der anderen Seite sind die Kartelle unterwegs, dann erst recht.

Magdalena

Tepic

Wir parken in Tepic am Parque Metropolitano und tauchen nochmal in den Motorraum ab. Ich habe mittlerweile herausgefunden, welches Relais und welche Sicherung für die Klimakupplung verantwortlich sind. Nach einer Stunde, einem gebrücktem Relais und etwas Kopfzerbrechen über seltsame Messwerte finden wir den Fehler, der uns seit einem Jahr schwitzen lässt: eine schlecht kontaktierte Sicherung. Endlich strömt kalte Luft aus dem Gebläse, und dazu mussten wir nur zwei Kontaktpunkte zurechtbiegen. Dummerweise strömt nach zwei Minuten im Leerlauf auch Klimagas aus dem Motorraum; das Überdruckventil des Kompressors hat ausgelöst. Jetzt haben wir aber zumindest einen Stand, den wir der Fordwerkstatt morgen präsentieren können. Die Sicherung nehmen wir sicherheitshalber aber erstmal wieder raus. So fahren wir mit drei Punkten auf der Liste am nächsten Tag zum Fordhändler. Erstens Klimaanlage, zweitens Hupe, drittens neue Schrauben für die Hinterachse.
Vorneweg: Wir werden einen halben Punkt abarbeiten können, dafür drei grundlegende Regeln bestätigt finden.

Regel Nummer eins: Vergiss E-Mail-Kommunikation in Mexiko.
Die Kommunikation über E-Mail in Mexiko ist ungefähr so schnell und zielführend, als wenn man versucht, bei Amazon per Falschpost zu bestellen. An Informationen kommt man nur über das Telefon. Es stellt sich nämlich raus, dass wir zwar einen Termin online gebucht haben, der Chef aber samt Analysegerät auf einer Fortbildung ist und sie uns deshalb nicht helfen können.

Regel Nummer zwei: Mexikaner sind unglaublich hilfsbereit.
Wir verbringen bestimmt eine Stunde mit den Mitarbeitern vom Ersatzteilverkauf, um verschiedene Teile auf Verfügbarkeit in Mexiko zu überprüfen. Die Hupe könnten sie uns bestellen, aber die würde 80 EUR kosten. Da schlägt selbst der Fordmechaniker vor, einfach eine andere einzubauen. Zusammen mit einem Mechaniker finden wir dann auch noch die passenden Schrauben für die Hinterradachse, und er schaut auch noch einmal auf die Klimaanlage.

Regel Nummer drei: Nein, es ist nicht der Kompressor.
Der erste Gedanke aller, die an Autoklimaanlagen arbeiten, scheint zu sein, dass der Kompressor hin ist. Vielleicht war er in Deutschland wirklich kaputt, vielleicht haben wir viel Geld für einen unnötigen Tausch bezahlt. Hier wird uns zumindest zum dritten Mal vorgeschlagen, wir sollten den Kompressor tauschen; wir lehnen dankend ab. Kleiner Tipp: Wenn euch gesagt wird, dass der Klimakompressor raus soll, lasst das nur machen, wenn euch gezeigt wird, dass das Ding tot ist und nicht direkt mit 12 V zum Laufen gebracht werden kann.

Am Ende verlassen wir die Werkstatt mit 10 Schrauben für die Hinterradachse und ein paar neuen Teilenummern. Das nächste Ziel ist AutoZone, um für 10 EUR eine neue Hupe zu kaufen. Da wir unsere Wäsche erst am Abend abholen können, verbringen wir den Nachmittag damit, die Hupe auszutauschen, weiter am Mückennetz zu arbeiten und eine Analyse der Temperatur am Wärmetauscher im Stand durchzuführen. So endet der Tag wenigstens mit dem Erfolgserlebnis, dass der Panda wieder hupen kann, wir einen Parameterbereich für die Klimaanlage haben und die Wäsche wieder sauber ist. Am nächsten Morgen laufen wir noch eine Runde durch den Park. Es ist fast wie in Bayreuth; am Mittwochmorgen geht es um einen See, und vorbei an einem kleinen Tierpark.

Tepic