Baja Sur

La Paz nach Mazatlan

Wir haben genug von Hitze, Sand, Kakteen und der Baja. Es soll jetzt schnellstmöglich rüber aufs Festland gehen.

TMC vs. Baja Ferries

Es gibt zwei Fährunternehmen, die zwischen La Paz und Mazatlán im Bundesstaat Sinaloa fahren: TMC und Baja Ferries. TMC hat vor allem die LKW-Fahrer als Zielgruppe. Die Fähre ist etwas rustikaler und es gibt keine Kabinen auf dem Schiff. Dafür darf man auf dem Oberdeck im eigenen Fahrzeug schlafen. Zusätzlich gibt es einen Raum mit Sitzen, in denen man auch übernachten kann. Bei TMC kann man sich das Abendessen und Frühstück nicht aussuchen; es gibt für alle dasselbe. Hunde können auf der Fähre mitgenommen werden und dürfen angeleint auch aufs Deck. Die Überfahrt mit TMC ist günstiger als die mit Baja Ferries; dafür gibt es dort mehr Komfort. Die Baja-Fähren sind neuer und es gibt mehr Aufenthaltsräume und Kabinen. Dafür darf man nach dem Ablegen nicht zurück zum Auto, und es darf auch nur der Fahrer beim Verladen im Auto sitzen. Alle anderen müssen als Passagiere zu Fuß aufs Schiff. Plätze in Flugzeugsitzen sind umsonst; wer möchte, kann sich für 950 MXN eine Schlafkapsel oder ab 2500 MXN auch ein Bett in einer Kabine dazu buchen. Das Essen soll ebenfalls besser sein. Beide Unternehmen unterscheiden zwischen Fahrzeugen bis und über 6 Meter. Sobald man die magischen 6 Meter überschreitet, wird es massiv teurer. Baja Ferries macht vor allem für diejenigen Sinn, die ein Fahrzeug über 6 Meter haben. Da fällt der Zusatzpreis für die Kabine nicht so sehr ins Gewicht, und man hat mit Sicherheit eine ruhigere Nacht als auf dem Oberdeck von TMC.

TMC

Kürzer als 6 Meter

Wir rechnen immer mit 6 Metern als eine Pandalänge. Im Fahrzeugschein stehen tatsächlich zwei Werte, einer knapp unter und einer knapp über 6 Metern. Den Unterschied macht die Anhängerkupplung und die dazugehörige Trittstufe. Über 6 Meter macht der Preis für die Überfahrt einen deutlichen Sprung auf beinahe das Dreifache. Um auf Nummer sicher zu gehen, lassen wir in La Paz noch die Stufe und die Kupplung abschrauben. Zwei Schrauben lösen und der Panda ist 15 cm kürzer. So zahlen wir für ein Vanette Comercial (Lieferwagen) bis 6 Meter und eine Person extra 8700 MXN / 440 €. Die Kategorie Motorhome bis 10 Meter hätte 21200 MXN gekostet. Das hätte uns mal in Deutschland einfallen sollen. Da hätten wir für die Verschiffung nach Halifax ein paar Euro gespart.

Puerto de Pichilingue

Wir hatten versucht, im Vorhinein eine Überfahrt zu buchen. Das Büro von TMC Ferries in der Innenstadt von La Paz war aber beide Male geschlossen, als wir da vorbeikamen. Informationen zu Öffnungszeiten haben wir auch nicht gefunden. Auf eine E-Mail hat auch niemand geantwortet. Was wohl funktioniert, ist entweder anrufen oder eine Anfrage über Facebook. Wir entscheiden uns dafür, einfach morgens früh am Hafen aufzuschlagen und dann zu hoffen, dass es einen Platz gibt. Die Chancen stehen wohl gut, da die Fähren selten ausgebucht sind. Die Sicherheitsleute schleusen uns zunächst auf einen Parkplatz am Terminal, in dem es einen Ticketschalter von TMC gibt. Wir geben unsere Daten an, und die Sachbearbeiterin trägt alles ein und registriert uns für die Fähre am Abend. Es gibt keine Bestätigung oder Quittung; hier muss man aber auch noch nichts bezahlen. Man kann hier theoretisch auch noch ein TIP (Temporary Import Permit) für das Auto bekommen, wenn man das nicht schon an der Grenze erledigt hat. Allerdings sind die Öffnungszeiten vom Banjercito eher sporadisch und wohl auch nicht immer zuverlässig. Jetzt heißt es erstmal warten, bis wir um 11 Uhr durch den Zoll auf das Hafengelände dürfen. Aber wir sind darauf eingestellt, heute einfach viel rumzustehen. Der Zollbeamte ist erstmal verwirrt, dass er Simons Namen nicht auf dem Fahrzeugschein finden kann, und schaut dann ziemlich entgeistert, als wir ihm erklären, dass das Auto auf meinen Namen angemeldet ist. Aber er lässt uns durch und schaut auch nur kurz in den Panda. Die nächste Station ist Wiegen und Messen. Die Mitarbeiter und die Waage sind großzügig eingestellt. 3200 kg und 5,9 m sind vermutlich etwas unterschätzt, aber so sind wir locker unter 6 Meter, und das Gewicht interessiert vermutlich eh niemanden. Mit dem Wiegeschein, der 241 MXN in bar kostet, können wir jetzt ins nächste TMC-Büro und unsere finalen Tickets kaufen. Bis zum Boarding am späten Nachmittag haben wir jetzt einige Stunden Zeit totzuschlagen. Jetzt wird es nochmal verwirrend. Es gibt zwei Terminal 1 auf dem Hafengelände und wir stehen zunächst vor dem falschen. Sehen unser Schiff aber auf der anderen Seite und können dann mit Premium-Blick dem Verladen der LKW zuschauen. Es ist immer wieder faszinierend, wie die Fahrer den 40er rückwärts über die Rampe aufs Oberdeck manövrieren.

Nochmal der Ablauf in Kurzform:

  1. Überfahrt über Facebook, telefonisch oder direkt am Hafen reservieren (Es fallen noch keine Kosten an)
  2. Durch den Zoll (Fahrzeugpapiere, TIP und Pässe bereithalten)
  3. Wiegen und Vermessen (241 MXN in bar)
  4. Ticket kaufen (Erst hier muss man für die Überfahrt bezahlen, Kartenzahlung möglich)
  5. Warten aufs Verladen (Beide können im Auto bleiben)
Hafen

Eine Nacht auf dem Schiff

Die Santa Rita hat ein Ober- und ein Unterdeck. Die Koordinatoren, die die Fähre beladen, stellen sicher, dass die PKW und Camper aufs Oberdeck kommen und man so unter freiem Himmel steht. Nichtsdestotrotz steht man zwischen LKWs oder zumindest den Aufliegern. Viele von denen sind Kühlcontainer, bei denen die Klimaanlagen natürlich die ganze Nacht durchlaufen. Wir haben es besonders blöd erwischt. Wir stehen direkt in einer Bucht zwischen drei von diesen Kisten. Die blocken nicht nur den Wind, sondern dröhnen hör- und fühlbar die ganze Nacht. Wirklich geschlafen habe ich dabei nicht. Zumindest die Duschen, typisch 90er-Jahre-Campingplatz, waren ein Trost. So wurde ich am Morgen wenigstens ein bisschen wach.

Im Fahrpreis sind zwei Mahlzeiten enthalten. Abends vor dem Auslaufen gab es Reis, Fleisch, Bohnen und Tortillas. Mexikanische Hausmannskost, die sich in großer Menge einfach zubereiten lässt. Am Morgen gab es Kaffee, aber leider keinen Tee, und dazu Reis, Leber, Rührei und Tortillas. Das Gemüse hatten wir zum Glück noch selber dabei. Hätte ich auf der anderen Fähre besser geschlafen? In einer Kabine bestimmt, in einem der Sitze vermutlich nicht.

Abend