Baja California Sur II
- Kirsten
- May 24, 2026
- natur
Die Südspitze der Baja California, wo sich der Golf von Kalifornien zum Pazifik öffnet, hat zwei Gesichter. Im Südwesten ist alles auf den Tourismus ausgelegt. Von hier laufen die Yachten zum Hochseefischen aus. Auf der Ostseite geht es ruhiger zu. Hier gibt es noch wunderbare abgelegene Strände, an denen man schnorcheln kann.
Wendekreis Krebs
Mittags steht die Sonne direkt über uns, hört man immer wieder. Wer die Schatten genau beobachtet, merkt, dass diese Aussage in Europa nicht ganz stimmt. Die Schatten verschwinden einmal am Tag nur zwischen den beiden Wendekreisen bei 23,43472° Breite nördlich und südlich des Äquators. Es ist der Punkt, an dem zur Sommersonnenwende die Sonne tatsächlich senkrecht vom Himmel scheint. Diese Position ist tatsächlich nicht fest. Die Planeten des Sonnensystems beeinflussen sich gegenseitig, und so bewegt sich der Punkt des Wendekreises immer weiter in Richtung des Äquators. Auf der Nordhalbkugel wird dieser Wendekreis auch Wendekreis des Krebses genannt, das Sternzeichen, das die Sonne zur Sommersonnenwende durchquert. Die Südspitze der Baja California kreuzt gerade so den Wendekreis. Sowohl auf dem Weg nach Süden als auch auf dem Weg zurück nach La Paz kommen wir an zwei Denkmälern vorbei, die die Position des Wendekreises markieren. Für die Sommersonnenwende sind wir aber etwas zu früh dran.
Todos Santos
Hier ist es noch entspannt. Es gibt einen schönen Stadtkern; die hübschen Hotels haben noch nicht überhandgenommen, und neben schicken Restaurants, die ziemlich leer sind, gibt es noch gut gefüllte Imbissstände. Nach einer ruhigen Nacht neben dem Dorfpark und einem kleinen Stadtspaziergang fahren wir raus zum Hotel San Cristóbal. Dort ist der Einstieg zu einem Wanderweg, der zum alten Hafen von Todos Santos führt, einer kleinen natürlichen Bucht. Der Weg führt über einen Berg, von dem man einen tollen Blick über die Gegend und raus aufs Meer hat. Dieser Berg erklärt aber auch, warum dieser Hafen irgendwann aufgegeben wurde. Alle Waren erst einmal mühsam über den Berg zu schaffen, war einfach nicht sinnvoll. Die Gegend ist karg: Es gibt mal wieder viel Sand, Kakteen und ein paar kleine Sträucher. Aber mit dem Wind vom Meer ist es zum Wandern nicht zu warm. In der Nähe der Küste hören wir Seelöwen und finden sie auch etwas später. Von einer Klippe aus können wir beobachten, wie sie im Wasser jagen oder sich auf einem der Felsen in der Sonne fläzen. Im alten Hafen kann man dann den Wellen dabei zuschauen, wie sie sich an den alten Befestigungen aufschaukeln und riesige Gischtfontänen ausspucken. Die Krebse haben sich auf die höher gelegenen Felsen gerettet. Die schwarzen, bis handgroßen Exemplare sind auf den Steinen perfekt getarnt und fast nur zu erkennen, wenn sie sich bewegen. Das rote Exemplar bewegt sich nicht mehr und wurde wohl von der Sonne gut durchgegart. Nach den Tagen im völlig überhitzen La Paz ist es hier schon fast angenehm.
Cabo San Lucas
Ist das hier noch eine Stadt oder einfach ein Hafen? Zumindest am Wasser ist alles auf Tourismus ausgelegt. Wir übernachten in einem trockenen Flussbett und gehen am Morgen eine Runde laufen. Es geht am hotelgesäumten Strand in Richtung Hafen. Dort liegen so viele Boote, dass man das Hafenbecken kaum noch sieht. Vom heimischen Fischerboot, kleinen Touristenboot mit durchsichtigem Boden, über Motoryachten zum Hochseefischen bis zum Piratenschiff liegt hier alles. Dazwischen tummeln sich auch wieder die Seelöwen. Wir drehen eine Runde um das Hafenbecken und kommen an unzähligen Bars, Restaurants und Geschäften für zahlungskräftige amerikanische Touristen vorbei. Auf der Promenade finden wir ein Schild, das den Vergleich zwischen 1988 und 2025 zeigt. Damals lagen im Hafen verstreut ein paar Boote, und die Hotels hatten maximal vier Stockwerke. Wer einen Urlaub wie in Kalifornien machen möchte, aber nicht so viel zahlen will, ist hier genau richtig.
Die mexikanischen Camper, die die Nacht neben uns gestanden sind, sind genauso wenig wie wir von der Stadt angetan. Aber hier kann man gut eine Nacht stehen; solange es nicht regnet, wird aus dem trockenen Staubboden ein Morast. Wer gerne tagsüber fischt und abends dann Cocktails mit Blick auf den Yachthafen trinkt, kann hier eine richtig gute Zeit haben.
San José del Cabo
An diesem Wochenende findet hier ein Jazz-Festival statt. Auch wenn uns beiden ein Metal- oder Rock-Festival lieber wäre, wollen wir dem Jazz eine Chance geben, wenn wir schon mal hier sind. Die Küste ist hier wieder gesäumt von großen Hotelanlagen. Auch die Läden entlang der Hauptstraße am Wasser sehen eher hip und westlich aus als typisch mexikanisch. Das Ganze hat ein exotisches und touristisches Flair. Es gibt einige lokale Künstlerinnen, die ihre Werke auf dem Festival präsentieren und verkaufen. Dahinter folgt das gastronomische Angebot, bis man am Ende zur Bühne kommt. Wir hören uns eine Session von einem Trio (Klavier, Schlagzeug und Kontrabass) an. Allerdings finden wir nicht so ganz den musikalischen Zugang. Vielleicht probieren wir es einfach in 10 Jahren nochmal. Am nächsten Morgen schlüre ich noch durch die Altstadt. Es gibt wie üblich einen Marktplatz inklusive Pavillon neben einer Kirche. Gesäumt ist der Platz mit Cafés, Restaurants und Souvenirläden. Wir fahren weiter und hoffen auf etwas weniger touristische Orte, wenn es an der Ostseite wieder hoch nach La Paz geht.
Cabo Frailes und Cabo Plumo
Von der Hauptstraße MX 1 geht es bei El Campamento zunächst auf eine geteerte Landstraße ab in Richtung Küste. Man kann schon das Meer sehen, als der Asphalt plötzlich aufhört und zu einer Schotterstraße wird. Wir durchqueren Cabo Plumo und fahren ein Stück weiter nach Cabo Frailes. Dort gibt es am Strand eine kleine Siedlung von Fischern und einige mehr oder weniger verlassene Häuser. Am Strand stehen schon mehrere Camper. Wir bleiben dann aber doch lieber auf dem sehr festen Sandplatz, der wohl als Parkplatz dient. Eine gute Entscheidung: 30 Meter weiter versucht gerade ein Pickup, den anderen aus dem Sand zu ziehen. Wir haben uns extra noch Schnorchel besorgt, da es hier wohl ein schönes Korallenriff gibt. Die erste Testrunde endet damit, dass ich in eine Qualle schwimme und mit kleinen Verbrennungen am Hals und an den Armen nach 2 Minuten wieder aus dem Wasser hechte. Am Abend macht auch noch ein Segelboot in der Bucht fest. Momentan kann man bis maximal 1,5 Stunden nach Sonnenaufgang draußen Sport machen; danach wird es einfach viel zu heiß. Also stehe ich am nächsten Morgen noch vor der Sonne auf und laufe einmal nach Cabo Plumo und zurück. Der zweite Schnorchelversuch später am Tag läuft besser. Der Wind hat gedreht, und das Wasser ist klarer; keine Quallen in Sicht. Wir sehen viele verschiedene Fische, Seeanemonen, Seeigel und sogar Rochen. Direkt am Strand haben es sich vier kleinere Exemplare gemütlich gemacht, und weiter draußen kann man die größeren fliegen sehen.
Hier könnte man es auch eine ganze Woche aushalten. Wenn denn die Solarpaneele Strom liefern würden und gerade nicht dutzende andere Dinge gehen würden. Bevor wir nach Cabo Plumo umparken, um dort am nächsten Morgen ein bisschen wandern zu gehen, hilft Simon noch den nächsten, die sich festgefahren haben. Die Blöcke, die wir eigentlich nutzen, um die Camper auszugleichen, wenn wir zu schief stehen, eignen sich auch als Sandboards. Zum Dank gibt es eine Packung süße Empanadas. Am Kiesstrand von Cabo Pluma kann man sich nicht nur nicht festfahren, sondern auch Pelikane beim Jagen beobachten. Mehrere Gruppen fliegen bei Sonnenuntergang den Strand entlang und klappen dann einfach die Flügel ein und stürzen sich senkrecht ins Wasser. Nach einer ruhigen Nacht und einem kleinen Frühstück starten wir früh zu einer kleinen Wanderung. Die 10-Kilometer-Runde führt durch die Hügel und Täler hinter Cabo Plumo. Eine schöne Strecke, aber wir merken, dass wir langsam genug von Kakteen und Sand haben. Nach 2,5 Stunden sind wir wieder am Panda und fahren zurück zur Hauptstraße und weiter Richtung La Paz.
Los Barriles
Ganz bis nach La Paz wäre es etwas weit gewesen, und wir haben auch noch einen Tag Zeit bis zu unserem Werkstatttermin. So machen wir noch einen Stop in Los Barriles. Am Playa La Gaviota gibt es wie in Loreto Sonnenschirme und Außenduschen. Der große Pavillon ist von mehreren mexikanischen Familien belegt, die sich einen schönen Nachmittag am Strand machen. Hier ist aber genug Platz für alle, und wir setzen uns unter einen der Sonnenschirme. Für den Abend stellen wir uns an eine unbefestigte Straße am Ortsrand. Die Kühe, die noch da stehen, ziehen irgendwann weiter, und wir hören nur hin und wieder noch einen Strandbuggy vorbeifahren. Am Morgen fahren wir nochmal kurz zum Playa La Gaviota, und dann geht es zurück nach La Paz. Temperaturtechnisch hat die Runde um die Südspitze der Baja etwas Erholung gebracht. Unsere Liste an Reparaturen und Ersatzteilen ist allerdings noch länger geworden.