Baja California Nord
- Kirsten
- April 30, 2026
- natur
Endlich raus aus der Tourizone. Wir fahren die 1 immer weiter nach Süden. Viele Optionen gibt es hier auch nicht. Die Straße hat die meiste Zeit eine Spur in jeder Richtung und keinen Seitenstreifen. Wenn man vom Weg abkommt, landet man im Graben. Deshalb muss man gut aufpassen, dass man nicht im Gegenverkehr oder im Sand landet, wenn man den Schlaglöchern ausweicht. Zum Glück ist der Verkehr überschaubar. Die Landschaft wird karger und die Siedlungen kleiner und einfacher.
In den USA war es eigentlich immer möglich, irgendwo das Schmutzwasser zu entsorgen und Trinkwasser aufzuladen. Das ist hier etwas schwieriger. Agua Purificada, gefiltertes Wasser, gibt es noch relativ häufig, aber man muss dafür bezahlen (1–2 Pesos pro Liter). Nachdem wir einmal unseren Duschtank versehentlich mit Salzwasser aus einem Wasserhahn befüllt hatten, bleiben wir wohl erstmal bei bezahltem Wasser zum Trinken.
Unser Wasser aus Dusche und Waschbecken wollen wir auch nicht einfach in die Wüste gießen. Nach zwei Stopps bei bezahlten Dump-Stations sind wir uns aber nicht sicher, ob das einen großen Unterschied machen würde. Bei der ersten war nirgendwo ersichtlich, wo da ein Tank sein könnte, der abgepumpt wird, und bei der zweiten konnte man am Ende des Rohrs den Sandboden sehen, in den das Wasser einsickert. Wir hoffen, dass wir auch noch irgendwo mit besserem Gewissen unseren Grauwassertank leeren können.
Müll ist auch schwieriger loszuwerden. Wahrscheinlich werden wir auf eine ähnliche Methodik wie beim Dieseltank vom Auto übergehen. Wenn der Mülleimer halb voll ist, wird die nächste Mülltonne genommen, die sich anbietet. Ansonsten gibt es jede Menge Sand und Wind. Der Panda hat außen mittlerweile einen Ockerton angenommen und innen wissen wir nicht, wann wir je wieder den ganzen Staub rausbekommen.
Coyote Trail
Wir haben einen Wanderweg ausfindig gemacht. Circa vier Kilometer südlich von Benito Garcia am Highway 1 liegt die Rancho Ruiz. Hinter der Brücke biegt man, aus Norden kommend, rechts in eine Auffahrt ein. Wir lassen den Camper auf einem asphaltierten Stück der ehemaligen Straße stehen und schauen erstmal, wo das Coyote-Trail-Schild uns hinführt.
Die Einfahrt ist mit einem Tor für Autos gesperrt, aber als Fußgänger kommt man durch. Wir lassen den Panda an der Straße stehen und marschieren los. Wenn man sich an allen Abzweigen rechts hält, kommt man zur Ranch.
Wenn sie geöffnet ist, kann man hier bestimmt einen tollen Nachmittag im Liegestuhl verbringen oder sich nach einer Wanderung ein kühles Getränk gönnen.
Am Traileinsteig wird die Zeit, die man für die Wanderung einplanen sollte, mit 3–6 Stunden angegeben. Kinder unter 12 dürfen nicht mit. Was es nicht gibt, ist eine Übersichtskarte. Unsere Information ist, dass es hin und zurück derselbe Weg ist. Am Ende finden wir uns auf einem Rundkurs wieder.
Der Weg ist super ausgeschildert, sodass man sich nicht verlaufen kann. Nach etwa einem Kilometer gabelt sich der Weg, wir nehmen die Ruta 2 für Fortgeschrittene und Experten. Tatsächlich klettern wir wenig später über kleine Felsen, die auf dem Weg liegen, und steigen nach einem Abschnitt im Tal immer steiler den Berg hoch.
An zwei Stellen sind Seile gespannt, um auf dem sandigen Untergrund überhaupt hochzukommen. Der Ausblick, der sich uns dann aber bietet, ist grandios. Am Aussichtspunkt nach etwas mehr als 4,5 Kilometern treffen sich beide Routen. Von hier rollen wir auf der deutlich einfacheren Route den Berg wieder runter zurück zum Panda.
Schade, dass die Ranch nicht auf hat, ein schönes kaltes Getränk im Schatten wäre jetzt genau richtig gewesen.
Der Rundkurs hat eine Länge von 7,5 Kilometern mit knackigen 680 Höhenmetern. Wir haben für die Strecke 2,5 Stunden benötigt. Wer sich die Kletterpartien sparen möchte, nimmt einfach die Ruta 1 und spart auch ein paar Höhenmeter ein.
Playa Miramar
Nach den etwas stressigen ersten Tagen brauche vor allem ich eine Pause. Ein, zwei Kilometer südlich von Ejido Valle Tranquilo stellt jemand sein Grundstück für Camper zur Verfügung. Er hat einfach den Code fürs Zahlenschloss am Tor auf iOverlander gepostet und darum gebeten, keinen Müll zu hinterlassen. So stehen wir direkt am Strand und haben zwei ruhige Tage mit Yoga, Laufen und ein bisschen Arbeiten. Abends ist es recht windig, aber morgens kann man draußen frühstücken. Die meisten Camper sind hier im Winter von Dezember bis März, die drei Nächte, die wir hier sind, haben wir den Platz für uns allein.
Cactus Wonderland
Es geht mal wieder in die Wüste. Südlich von El Rosario verläuft die Straße weg vom Pazifik ins Innere der Halbinsel. Hier gibt es über weite Strecken nur noch Kakteen, hin und wieder eine Yucca und tatsächlich auch einen Abschnitt mit Joshua Trees. Wir halten kurz vor Catavina, um uns die Höhlenmalereien anzuschauen. Es gibt zwei Möglichkeiten zu parken. Etwas weiter im Norden vor einem Gebäude, das wohl als Ausstellungs- oder Informationspavillon gedacht war, jetzt aber leer steht. Ein paar hundert Meter weiter südlich gibt es noch eine Fläche neben einer kleinen Hütte und den Grundmauern eines Pavillons. Hier geht es ziemlich steil von der Straße auf den Sandplatz, man sollte also gut überlegen, ob man da runter und wieder hoch kommt, ohne irgendwo aufzusetzen.
Das Gelände ist vollkommen verwaist und die Toiletten sind abgeschlossen. Es wirkt ein bisschen wie ein Projekt, dem nach der Anschubfinanzierung das Geld ausgegangen ist. Der Wanderpfad ist sehr gut ausgeschildert und führt an vielen Schau- und Informationstafeln hoch zu einer kleinen Höhle, die durch mehrere große Steine gebildet wird. Die geometrischen Figuren sind auch von außen gut zu sehen, wenn man vor einem der Eingänge in die Hocke geht. Die Tour ist nicht besonders weit. Wir schauen noch an dem leeren Gebäude vorbei, an dem wir zuvor vorbeigefahren sind, und spazieren ein bisschen auf den Offroad-Fahrspuren durch die Wüste.
Wir übernachten mitten zwischen den riesigen Kakteen ein paar hundert Meter weiter nördlich. Am nächsten Morgen ist es bewölkt, sodass wir bei unserem Lauf nicht gegrillt werden. Mangels Alternativen folgen wir einfach einem der Wege eine Stunde in die Wüste und drehen dann wieder um. Als wir wieder am Camper ankommen, beginnt es sogar zu tröpfeln.
Bahía de Los Ángeles
Dieser Ort ist bekannt für die Walhaie, die hier im Golf von Kalifornien leben. Wer möchte, kann ein Boot mieten und mit ihnen schnorcheln. Um herzukommen, biegen wir vom Highway 1 ab und fahren nach Osten, bis wir auf den Golf von Kalifornien treffen.
Wie in den meisten Orten seit Ensenada hat man das Gefühl, dass auch Bahía de Los Ángeles schon mal bessere Zeiten gesehen hat. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass gerade keine Hochsaison ist und durch den Wind ständig alles von einer feinen Sand- und Staubschicht bedeckt ist.
Wir behelligen die Walhaie nicht mit unserer Anwesenheit und fahren stattdessen zum La-Gringa-Strand, ein Stück weiter nördlich. Hier am Ende einer kleinen Bucht gibt es einen steinigen Badestrand, der auch bei den Einheimischen beliebt ist.
Als wir ankommen, ist es später Nachmittag und sehr windig, sodass nicht viel los ist. Ein Dutzend Wohnmobile, Camper und Zelte stehen verstreut neben dem Zufahrtsweg.
Am nächsten Tag ist der erste Mai und der ist auch in Mexiko ein Feiertag, dazu ist es fast windstill. Ab 10 Uhr füllt sich der Strand rasant. Zwei Pickups und ein Wohnmobil sind die ersten, die morgens kommen, und bauen noch Pavillons und einen Gasgrill am Strand auf.
Später kommt per Boot und Auto noch eine Männergruppe und baut ihr Camp etwa 10 Meter entfernt von uns auf. Hinzu kommen viele Familien, die einen Tag am Strand verbringen.
Wir machen einen Spaziergang, bauen unser Sonnensegel und die Campingstühle auf und machen uns einen entspannten Tag. Mittags geht es einmal ins Wasser, der zusätzliche Auftrieb verbessert die Wasserlage, aber die Kälte zieht ziemlich Energie.
Die Hügel hinter uns sind durchzogen mit Offroad-Pisten, die wir am Abend noch einmal für eine Mikro-Laufrunde nutzen. Noch einmal kurz ins Wasser und wir können endlich mal wieder draußen Abendessen. Derweil beginnt die Party am Strand und der Vollmond geht in leuchtendem Gelb über dem Wasser auf.
Wir hatten fast damit gerechnet, dass die Männertruppe die Nacht durchmacht, aber ab 23 Uhr ist es dann ziemlich ruhig. Am nächsten Morgen ist der Strand auch schon wieder deutlich leerer. Eine Runde Yoga mit Meerblick und dann draußen frühstücken.
Wir haben hier zwar keine Walhaie gesehen, aber viele Pelikane, und Simon meint sogar, einen großen Rochen ausgemacht zu haben. Nach zwei entspannten Tagen fahren wir zurück zum Highway 1 und weiter nach Süden, Richtung Guerrero Negro, wo Baja California Sur beginnt.