Joshua Tree

Tecate und Ensenada

Bye Bye USA

Anfang November sind wir im Norden von Michigan in die USA eingereist. 167 Tage und viele tolle Erlebnisse später stehen wir im Süden von Kalifornien an der Grenze zu Mexiko. Der Mehraufwand für das Visum, das uns eine Einreise von 180 Tagen statt 90 erlaubt, hat sich definitiv gelohnt.

Bienvenidos a México - Tecate

Die Grenze zwischen Mexiko und den USA ist insgesamt 3145 Kilometer lang. Östlich von El Paso dient der Rio Grande als Grenzfluss. Im Big Bend National Park saßen wir in den heißen Quellen und haben uns zum Abkühlen dann in den Fluss gelegt. Hier kann man tatsächlich problemlos auf die andere Seite schwimmen. Einige Mexikaner nutzen die grüne Grenze auch, um Kunst auf der Seite des Nationalparks zu platzieren und auf Vertrauensbasis an die Touristen zu verkaufen.

Weiter westlich sieht es ganz anders aus. Als wir auf der Interstate 8 von El Centro aus Richtung San Diego fahren, sehen wir zum ersten Mal den Grenzzaun, der sich schnurgerade durch die Landschaft zieht und oft nur wenige Meter neben Wohnhäusern verläuft.
Es gibt vier Grenzübergänge in Kalifornien, die man mit dem Auto passieren kann. Zwei davon sind im Großraum San Diego/Tijuana ganz im Westen am Pazifik, die beiden anderen sind Tecate und Mexicali. Der kleinste und wohl beliebteste Übergang für Wohnwagen ist Tecate. Auch wir entscheiden uns für diesen Grenzübergang.
Die Gründe sind einfach. Nur wer wirklich stressresistent ist oder keine andere Wahl hat, nimmt einen der Übergänge zwischen den beiden Großstädten im Westen. Mexicali liegt günstig, wenn man auf der Baja California direkt zum Golf von Kalifornien will, allerdings muss man dann auf der mexikanischen Seite direkt durch eine Großstadt. Tecate hat keine 65.000 Einwohner und liegt nur 1,5 Autostunden von Ensenada am Pazifik entfernt.

Wir fahren an einem Montagvormittag gegen 10 Uhr in das kleine Dorf Tecate auf der amerikanischen Seite der Grenze. Auf einem Parkplatz essen wir noch das letzte Obst und Gemüse und fahren dann zum gut ausgeschilderten Grenzposten. Der freundliche Grenzbeamte öffnet einmal die Heck- und Seitentür, schaut in den Wagen und winkt uns dann durch. Ja, man kann in Mexiko einreisen, ohne nach dem Pass gefragt zu werden. Man sollte jetzt aber nicht den Fehler machen und einfach weiterfahren. Für die ordnungsgemäße Anmeldung von sich selbst und dem Auto ist man selber verantwortlich.

Grenze

Also suchen wir uns einen Parkplatz in der Nähe. Die meisten sind mit einer Parkuhr, aber direkt am Grenzzaun gibt es auch ein paar kostenlose. Danach laufen wir mit unseren Unterlagen zurück zum Grenzposten. Alle Besucher müssen sich in ein großes Buch eintragen und bekommen einen Besucherausweis umgehängt. Der freundliche Herr vom Sicherheitsdienst zeigt uns den Weg zur Einreiseanmeldung. Man kann das FMM (Forma Migratoria Múltiple) auch online beantragen. Ich habe es sogar mal probiert, bin dann aber am Bezahlsystem gescheitert. Die Zeitersparnis an diesem Grenzübergang ist gering und den Stress mit dem Bezahlsystem nicht wert. Der Grenzbeamte scannt unsere Pässe, fragt wie lange wir in Mexiko bleiben wollen (180 Tage) und händigt uns 2 Minuten später die Unterlagen für die Bank aus. Das FMM kostet für uns beide zusammen 97,64 EUR / 1966 MXN, die wir bei der Banjercito bezahlen, die sich auf der anderen Straßenseite innerhalb des Grenzübergangs befindet. Wir bezahlen das FMM mit unserer Kreditkarte und stehen ein paar Minuten später mit den Unterlagen und der Quittung wieder vor dem Grenzbeamten, der die Einreisestempel in die Pässe hämmert und uns unsere FMM aushändigt.

Jetzt ist der Panda dran. Da wir nicht nur auf der Baja California unterwegs sein werden, benötigen wir ein Temporary Import Permit (TIP). Das erhalten wir wieder bei der Banjercito gegenüber. Mitzubringen sind in Kopie und im Original:

  • Fahrzeugschein
  • FMM der Fahrzeughalterin
  • Pass der Fahrzeughalterin

Zum Bezahlen entweder US-Dollar in bar oder Debit-/Kreditkarte der Fahrzeughalterin.

Es ist nicht viel los und so schickt uns der Sachbearbeiter nicht los, eine Kopie vom FMM zu machen, sondern erledigt das einfach bei sich im Büro. Alle anderen Unterlagen haben wir schon vorher kopiert und parat. Da der Panda als Wohnmobil eingetragen ist, entfallen für uns die 400$ Kaution und das TIP ist 5 Jahre gültig. Die Gültigkeit der Wohnwagen-TIP wurde zum 01. April 2026 von fünf auf zehn Jahre verlängert. Der Sachbearbeiter wollte auch noch ein Foto vom Wagen sehen, vermutlich um sich zu überzeugen, dass es als Wohnmobil durchgeht. Auf dem Handy haben wir ja mittlerweile genung Bilder. Die 59,16 US-Dollar Gebühr wollen wir auch mit Karte zahlen, das geht aber nur, wenn der Name auf der Karte identisch ist mit dem auf dem Fahrzeugschein. Meine Kreditkarten sind zusammen mit meinem Portemonnaie noch immer irgendwo in London, Ontario in Kanada. So bezahlen wir am Ende bar und haben Glück, dass wir keine Kaution hinterlegen müssen. Damit ist die Bürokratie abgeschlossen, wir haben für alles zusammen weniger als eine Stunde gebraucht. Eine Kfz-Haftplichtversicherung hatten wir schon eine Woche vorher online abgeschlossen.

Wir parken den Camper an der Bibliothek am Parque Adolfo Lopez Mateos und gehen die 800 Meter zurück zum Parque Miguel Hidalgo zu Fuß. Hier gibt es eine Filiale von Santander, wo wir uns mit Bargeld eindecken. Man könnte hier auch gemütlich eine Mittagspause machen, aber dafür haben wir gerade noch keinen Kopf. In der Bibliothek kopieren wir zunächst unsere neu erworbenen Dokumente und ersetzen unsere abgegebenen Kopien. Wir werden es so halten, dass wir von allen wichtigen Dokumenten Kopien griffbereit für mögliche Kontrollen halten und die Originale unter Verschluss.

Den Kühlschrank haben wir nicht ganz so leer geräumt wie bei der Einreise in die USA, aber auch aus Senf, Mayonnaise und Marmelade kann man kein Abendessen zaubern. Also geht es noch in den Calimax Supermarkt und dann auf die Landstraße in Richtung Ensenada.

Tecate

Ensenada

Den Jahreswechsel 2016/2017 habe ich mit meinen Eltern und meiner Schwester in Cartagena, Kolumbien verbracht. Die wunderschöne Innenstadt wimmelte von Touristen aus dem In- und Ausland. An einem Tag wunderten wir uns, dass die Anzahl deutscher Touristen genauso sprunghaft angestiegen war wie die Preise für Getränke. Die Ursache haben wir dann im Hafen gefunden. Dort lag ein Kreuzfahrtschiff eines in Deutschland beliebten Reiseanbieters. Bis zum Abendessen war der Spuk wieder vorbei, die Innenstadt wieder leerer und die Wasserpreise wieder auf dem Niveau vom Vortag.
Warum springe ich hier fast 10 Jahre zurück und tausende Kilometer nach Süden?

Im Hafen von Ensenada liegen zwei Kreuzfahrtschiffe, eines davon mit der berühmtesten Maus der Welt an Bug und Schornsteinen. Somit ist klar, was uns an der Promenade erwarten wird. Zum Glück scheinen die meisten Passagiere eine der Touren gebucht zu haben oder an Bord geblieben zu sein. Nichtsdestotrotz ist die Promenade gesäumt mit Souvenirläden, Bars und Cafés. Es wird uns auch mehrfach eine Bootstour angeboten und die beiden Touristen und ihr Guide mit den Segways sehen wir auch mehr als einmal. Von der Promenade geht der Mercado Negro ab, in dem man noch mehr Geld für Souvenirs ausgeben kann. Wir beschließen, uns das ganze lieber von oben anzuschauen, und steigen auf den Aussichtspunkt oberhalb des Hafens. Wenn man den Blick über den Hafen schweifen lässt, sieht man auch nicht die hunderten Bierflaschen und Dosen, die unterhalb der Aussichtsplattform liegen.
Wir streifen noch einmal durch die Altstadt, die ihre Öffnungszeiten vermutlich auch den An- und Ablegezeiten der Schiffe anpasst. Alles ziemlich anstrengend. Am Abend streifen wir noch einmal über den Pier. Die Schiffe haben beide abgelegt. Jetzt sind die meisten Geschäfte geschlossen und die Leute entspannen einfach in der kühlen Abendluft. Das Wasserspiel, das erst am Nachmittag anging, läuft jetzt in Dauerschleife mit viel Farbe und den besten Hits der 2000er. Wir übernachten auf dem Parkplatz vom Wissenschaftsmuseum direkt am Hafengelände. Die Seehunde haben, jetzt wo die Schiffe weg sind, die Regie übernommen. Wir können sie nicht sehen, aber die ganze Nacht hören.

Noch bevor das nächste Schiff kommt, fahren wir am nächsten Morgen weiter. Wir beginnen den Tag mit einem Lauf am Playa Hermosa. 5 Kilometer in die eine Richtung und dann etwas weiter zurück, eine Runde Dehnen und dann locker auslaufen. Am Wasser sind wir in guter Gesellschaft von Spaziergängern und Läuferinnen. Auf dem Rückweg können wir beobachten, wie das nächste Kreuzfahrtschiff im Hafen anlegt.

Ensenada

Baja Powerhouse

Wir haben noch immer die Bremsscheiben und die Bremsbeläge für die Hinterradachse an Bord. Da unser Antrieb auf der Hinterradachse sitzt, ist es deutlich schwieriger, hier die Bremsscheiben zu tauschen als vorne. Diese Werkstatt hatte gute Bewertungen auf iOverlander und wurde uns auch persönlich empfohlen. Die sind eigentlich auf Offroad-Fahrzeuge spezialisiert, haben aber mittlerweile auch viel Erfahrung mit europäischen Fahrzeugen. Der Mechaniker hat ziemlich Mühe, die Bremsscheiben runterzubekommen, aber nach einigen Stunden sind die neuen Bremsen drauf. Jetzt ist der Bremsschlauch vorne rechts auch wieder ein Originalteil und nicht von einem Mercedes geborgt. Wir geben ein gutes Trinkgeld, zahlen aber insgesamt weniger als für die Miete der Hebebühne in Kalifornien.
Sie geben uns auch noch eine Adresse von einem ihrer Zulieferer, der uns eine Platte für unseren Starlink fertigen kann. Am nächsten Tag fahren wir mit einer Schablone dorthin und jetzt sitzt der Starlink fest auf dem Dach. Wenn ihr Reparaturen in der Pipeline habt und in der Nähe von Ensenada seid, Baja Powerhouse hat keine Angst vor ausländischen Fahrzeugen.

Powerhouse

Bufadora

50 Minuten südlich von Ensenada gibt es noch eine Sehenswürdigkeit, La Bufadora, eine natürliche Wasserfontäne. Es hätte uns eigentlich klar sein sollen: so nah an der Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe muss es eine Touristenfalle sein. Das Maximum der Tide ist heute für den frühen Abend vorhergesagt. Wir fahren also am frühen Nachmittag raus zu La Bufadora. Die letzten 300 Meter zum hinteren Parkplatz führen durch einen kleinen Markt. Die kleinen Läden rechts und links verkaufen alles, was man nicht braucht und auch in Ensenada auf dem Mercado Negro bekommen würde. Der Parkwächter möchte 100 Pesos (5 EUR) haben, wir können dafür aber bis morgen früh um 7 Uhr hierbleiben. Da draußen ist uns noch zu viel los. Gegen 16 Uhr sind die meisten Touristen in ihre Busse gestiegen und wieder abgefahren, auch die Hälfte der Stände ist schon geschlossen. Anstatt überteuerte Cocktails aus einer Ananas zu schlürfen, testen wir das Dosenbier-Angebot von Mexiko.

Die Wasserfontäne entsteht an einer Felsformation, die sich so verengt, dass das einströmende Wasser nur noch nach oben ausweichen kann und dann als Fontäne nach oben spritzt. Am größten wird die Fontäne, wenn sich bei Hochwasser im schmalen Kanal die ein- und ausströmenden Wellen gegenseitig aufschaukeln. Aus irgendeinem Grund verschwindet die Fontäne jedes Mal, wenn ich mich für ein Foto in Stellung bringe. Wenn man es gut mit dem Wasserstand und den Touristenströmen abpasst ist es hier wirklich schön.

Nach diesen ersten sehr touristischen Tagen hoffen wir jetzt auf eine ruhigere Zeit auf der Baja California.

Bufadora