Ontario

Michigan

“pickels are fine”

So viel Vorbereitung und dann war die Einreise vollkommen entspannt. Die Grenzbeamten haben die Standardfragen gestellt und wir mussten kurz rein und einmal in die Kamera schauen. Nach 10 Minuten waren wir wieder unterwegs. Das halbe Glas Gewürzgurken durften wir mitnehmen.

Keine detaillierten Nachfragen zum Reiseverlauf. Sie haben uns die vollen 180 Tage Aufenthaltsdauer gegeben, uns eine gute Reise gewünscht und gemeint, dass sich das wirklich toll anhört was wir vorhaben. Nach den zwei Tagen Vorbereitung und allem, was man in letzter Zeit so von den Grenzen gehört hatte, konnten wir kaum glauben, dass wir so schnell in den USA sind.

Jetzt müssen wir als Erstes einen Supermarkt finden. Ein halbes Glas Gewürzgurken macht kein gutes Abendessen.

Mackinac Bridge

Die Interstate 75 bringt uns nach Süden. Zwischen Point St. Ignace und Mackinaw City überspannt die Mackinac Bridge die Straits of Mackinac, die den Lake Huron mit dem Lake Michigan verbinden. Der Brückenzoll beträgt 4 $, dann geht es über die 8 km lange Brücke. Bei starkem Wind soll das für große Fahrzeuge kein Spaß sein, vor allem wenn man bedenkt, wie niedrig das Geländer ist. Heute ist zum Glück nur ein bisschen Wind und wir fahren so, dass er den Panda im Zweifel zur Fahrbahnmitte drückt. Bei gutem Wetter eine tolle Überfahrt mit grandioser Aussicht.

Mackinac

Tunnel of Trees

Es ist schon etwas später im Herbst und die Blätter der Bäume, sofern sie noch dran hängen, sind goldgelb. Wir folgen der 119 entlang des Lake Michigan nach Süden. Zwischen Cross Village und Harbor Springs ist die Route als Tunnel of Trees, Baumtunnel, bekannt. Tatsächlich fährt man auf mehr oder weniger schmalen Straßen durch wunderschöne Laubwälder. Anfang November ist der Boden schon mit buntem Laub bedeckt und so versinkt man vom Boden bis in das sich über der Straße schließende Blätterdach in Gelb und Orange. Zwischendurch blitzt rechts von einem das Blau des Lake Michigan hervor. Es ist nicht der direkteste Weg nach Süden, aber ein toller Abstecher. Wer die Zeit hat, sollte diese Route wählen, vor allem im Herbst.

Trees

Sleeping Bear Dunes

Seit dem 1. Oktober befinden sich die USA in einem Government Shutdown. Dieser wird der längste der Geschichte werden, aber das wissen wir gerade noch nicht. Einige Angestellte haben unbezahlt weitergearbeitet, aber als es in den zweiten Monat geht, sind die meisten Nationalparks geschlossen. Der Sleeping Bear Dunes National Park ist zu, nur ein Parkplatz neben dem Eingang ist noch offen, sodass man ein bisschen spazieren gehen kann. Gern hätten wir den Park weiter erkundet, aber das wird erst einmal nichts.

Bear

Welkom in Holland

Wir folgen mehr oder weniger der Küstenstraße und als wir Holland auf der Karte entdecken, ist klar, dass das ein Stopp wird. Holland ist eine schöne kleine Stadt, die nicht nur zum Tulpenfest viele Touristen anzieht. Der Name ist Programm und so wird hier viel Porzellan in Weiß und Blau verkauft. Auch die niederländischen Clogs aus Holz gibt es. Auf der Einkaufsstraße fällt uns ein Laden ins Auge und plötzlich wissen wir nicht, ob wir im Erzgebirge oder im Schwarzwald sind. In diesem Geschäft tummeln sich Unmengen an Kuckucksuhren und Räuchermännchen. Alles zertifizierte Importe aus Deutschland. Für das Weihnachtsfeeling kauft Simon ein paar Räucherkerzen, im Zweifel halten die bestimmt auch Mücken fern.

Das Highlight in Holland ist natürlich eine Windmühle. Sie wurde 1964 von den Niederlanden nach Michigan verschifft und benötigte eine Sondergenehmigung zur Ausfuhr. Heute steht De Zwaan auf Windmill Island, umgeben von Tulpenfeldern, einem Nachbau einer holländischen Brücke und einer Ladenzeile inklusive eines alten Briefkastens. Durch den Park kann man das ganze Jahr schlendern, die Geschäfte und Tulpen befinden sich aber schon im Winterschlaf. Jetzt noch eine Fristi oder ein Appelgebak met slagroom und die Illusion wäre perfekt.

Holland

Aldi

Wir hatten schon gehört, dass es Aldi-Süd in den USA massiv expandiert hat. Leider ist die German-Week gerade rum und wir können uns nicht mit Vollkornbrot eindecken. Eigentlich will man ja nicht in Klisches verfallen aber in den USA wird Aldi zu unserem lieblings Supermarkt.Der US Lebensmittelmarkt hält einige Überraschungen parat die das Einkaufen echt anstrengend machen. Vor allem das in Zutatenlisten unglaublich lang sind.

  1. High Fructose Corn Syrup: Das Zeug ist wirklich überall drin. Selbst in der Coca Cola haben sie den normalen Zucker durch HFCS ersetzt. Ein anderes Beispiel ist Marmelade, die es alternativ auch zuckerfrei gibt.
  2. Joghurt: Dem wird erst das ganze Fett entzogen um dann die Kremigkeit künstlich mit Gelantine, Gummi Arabicum oder Johannisbrotkernmehl wieder herzustellen.
  3. rBST: Hormone die den Kühen gespritzt werden um die Milchproduktion zu steigern. In der EU ist es schon seit 1990 verboten da es den Kühen schadet. In den USA muss auf rBST freien Produkten stehen das rBST Produkte beim Menschen nicht schädlich sind.
  4. Red 3: Viele Lebensmittelfarben die in den USA verwendet werden sind in der EU schon lange verboten. Die erkennt man meist daran das sie deutlich intensiver als in Deutschland sind.
  5. Reitzüberflutung: Es gibt zu viel von allem und das meiste ist einfach Schrott

Wenn man dem entgehen will muss man entweder sehr viel Zeit mit dem lesen von Kleingedrucktem verbringen oder irgendwann immer wieder die selben Produkte kaufen. Freunde in den USA haben uns erzählt, dass Aldi wohl höhere Standards bei seinen Lieferanten ansetzt. So spart man sich zum Beispiel das Problem mit den Hormon behandelten Kühen. Man muss trotzdem noch das Marmeladen Regal durchsuchen aber es ist einfacher. Aldi führt auch immer ein Joghurtsorte European-Style. Naturjoghurt mit Fett und ohne Schnick Schnack.

Zu dieser Jahreszeit nicht ganz unwichtig ist das Spezialregal mit den deutschen Weihnachtsleckereien.

Generell kann man hier Lebensmittel mit deutlich kürzeren Zutatenlisten als in anderen Supermärkten zu erschwinglichen Preisen finden. Die Aldis sind auch deutlich kleiner als die meisten anderen Supermärkte das macht das einkaufen auch deutlich entspannter. Das ist auch von vielen Amerikanern als Grund genannt worden warum sie gerne bei Aldi einkaufen.