Lake Ontario
- Kirsten
- October 1, 2025
- geschichte natur tiere
Smith Falls und Gananoque
Von Ottawa aus fahren wir Richtung Süden, um wieder zum Sankt-Lorenz-Strom zu kommen. Wir machen einen Zwischenstopp in Smiths Falls, einem niedlichen kleinen Städtchen, das mal ein Verkehrsknotenpunkt war – sowohl zu Wasser als auch zu Land und mit dem Zug.
Hier führt auch wieder der Rideau Canal durch. Schiffer passieren hier Schleuse Nummer 31 auf ihrem Weg nach Kingston oder Ottawa. Wir machen einen gemütlichen Spaziergang, bevor es weitergeht nach Gananoque.
Diese Stadt ist angeblich das Tor zu den 1000 Inseln. Wir fahren mit den Rädern auf dem Fahrradweg neben der Straße parallel zum Wasser entlang. Leider ist quasi die gesamte Uferfront Privateigentum. An einem kleinen öffentlichen Bootsanleger und einem Parkplatz erhaschen wir noch einen Blick aufs Wasser und die Inseln.
Wenn man nicht viel Geld für eine Bootstour ausgeben will, ist ein Abstecher hierher genauso überflüssig wie das gleichnamige Salatdressing, das hier erfunden wurde.
Ein bisschen entschädigt der Sonnenuntergang am Yachthafen in Gananoque selbst – in einem gemütlichen Park mit Ausblick auf einen niedlichen Leuchtturm.
Orange Shirt Day
1828 eröffneten in Kanada die ersten Internate für Kinder der indigenen Stämme. Diese Internate waren fernab ihrer Familien und Gemeinschaften und hatten zum Ziel, die Kinder in die euro-kanadische Gesellschaft zu assimilieren. Tatsächlich erlebten die Kinder in diesen Einrichtungen meist Erniedrigung, Krankheiten und Gewalt. Diese staatlichen Schulen wurden von verschiedenen christlichen Glaubensgemeinschaften geführt, die letzte wurde 1997 geschlossen. Die Traumata und der Verlust von Sprache und Kultur wirken noch heute in die indigenen Gemeinschaften hinein. Erst 1986 begannen Kirchen und Institutionen, ihre Mitschuld und Verantwortung in dem System einzugestehen und sich dafür zu entschuldigen. 2008 entschuldigte sich der kanadische Premierminister Stephen Harper im Namen der Regierung und setzte die Truth and Reconciliation Commission of Canada (TRC) ein. Diese Kommission sollte die Geschichte und die bis heute präsenten Auswirkungen des Schulsystems auf die indigenen Gemeinschaften aufarbeiten. In ihrem Abschlussbericht von 2015 erklärt die Kommission, dass das Schulsystem einen kulturellen Genozid verübt hat, und formulierte 94 Handlungsaufrufe an Regierung und Gesellschaft.
Bereits 2013 etablierte sich der Orange Shirt Day. Basierend auf der Geschichte von Phyllis Webstad werden alle aufgerufen, an diesem Tag Orange zu tragen. An ihrem ersten Tag im Internat wurde ihr die Kleidung weggenommen, und sie durfte ihr oranges T-Shirt nie wieder tragen. Dieses orange T-Shirt stand fortan für das, was sie im Internat erlebte und empfand: dass ihre Gefühle keine Rolle spielten, dass sich niemand für die Kinder interessierte, dass sie sich wertlos fühlte. Das Tragen von Orange am 30. September soll zeigen, dass jedes Kind wichtig ist – überall und jeden Tag. Es steht unter dem Motto: EVERY CHILD MATTERS.
Seit 2021 ist der 30. September offiziell der National Day for Truth and Reconciliation. Der Ausdruck Orange Shirt Day hatte sich aber schon längst etabliert.
Prince Edward Island, Ontario
Zu Anfang der Reise hatten wir überlegt, ob wir über New Brunswick und Prince Edward Island fahren oder nach Newfoundland and Labrador. Wir sind damals nach Norden abgebogen. Jetzt kommen wir doch noch einmal nach Prince Edward Island – allerdings nur auf die Halbinsel im Lake Ontario. Von Kingston folgen wir der Bundesstraße 33 nach Westen und fahren in Adolphustown mit der Fähre rüber nach Glenora. Von dort aus ist es nur noch eine kurze Fahrt bis zum Sandbanks Provincial Park. Man merkt, dass die Sommerferien vorbei sind. Es ist deutlich leerer in den Parks und auf den Campingplätzen. Im Sommer muss hier gut was los sein. Es gibt viele Freizeitangebote, und man kann an jeder Ecke Feuerholz und Wassereis kaufen.
Sandbanks Ontario Parks
Sandbanks ist ein Ontario State Park. Tolle Sandstrände und Dünen direkt am Ontario Lake. In den Ferien und am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel für die Großstädter aus der Region um Toronto. Jetzt sind nur ein Paar Camper verstreut auf den Plätzen im Wald vom Cedar Campground. Den Rest des Tages verbringen wir mit Aufräumen und gehen für den Sonnenuntergang runter zum Strand. Am nächsten Morgen packen wir ein Lunchpacket ein und die Fahrräder aus. Wir fahren zu den Sand Banks Dünen und genießen dort Frühstück, Ausblick und die Füsse im Warmen Sand. Nach einem kurzen Bad im Lake Ontario geht es weiter auf Safari.
Strauße
In touristischen Regionen ist es immer schwierig, wild zu campen. Vor allem in Gegenden so nah an Großstädten wie hier wollen die Einheimischen natürlich nicht, dass überall geparkt wird. Deshalb nutzen wir hier mal wieder unsere Harvest Host-Mitgliedschaft. So gelangt man auch an Orte, an denen man sonst vermutlich vorbeigefahren wäre.
Die Struisvogel-Ranch liegt im Nordwesten der Insel und ist eine Straußenzucht. Vom Ei über flauschige Küken bis zu bissigen, zwei Meter großen Vögeln gibt es hier die gesamte Bandbreite. Wir machen uns einen entspannten Abend und kaufen ein paar Straußenfleisch-Salamis.
Am Nachmittag und Abend fliegen dann doch noch ein paar Vögel über uns hinweg – allerdings vom Typ A400M oder ähnlichem. Die kanadische Luftwaffe hat eine Basis ganz in der Nähe. Von hier aus sind es nur noch 1,5-2 Stunden bis Toronto.