Tun wir es oder lieber nicht?
Wir haben lange überlegt, ob wir den Trans-Labrador Highway (500) fahren sollen oder nicht. Einige Fragen, die wir uns dabei gestellt haben:
- Wollen wir so lange durch die Wildnis fahren?
- In Québec gibt es immer noch ungeteerte Abschnitte. Packt der Panda das?
- Haben wir genug Zeit für diesen „Umweg“?
Auf Neufundland haben wir einige Reisende getroffen, die uns gesagt haben, dass die Schotterabschnitte nicht so schlimm seien und wir dort ohne Probleme durchkommen sollten. Bis dahin hatten wir auch gute Erfahrungen mit Starlink gemacht und wussten, dass wir eine Möglichkeit haben, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Ein unmittelbarer Wintereinbruch schien ebenfalls nicht bevorzustehen, sodass wir auch nicht unter Zeitdruck gerieten.
Es blieb also nur noch eine Frage: Wollen wir das machen? Die Antwort war ja – und damit ging es für uns nach Labrador.
Expedition 51
Seit die Straße in Labdrador auf ganzer länge ausgebaut ist scheint sich die Zahl der Touristen die sich hier her verirren deutlich erhöht zu haben. Die Tourisbehörde hat sich die Expedition 51 ausgedacht um die abgelegnen Region weiter zu Bewerben Es gibt Kartenmaterial neben vielen anderen Information die zwei Wichtigsten in den Vordergrund stellen: Die Position der Tankstellen und die der Notfallstationen. Nach Erfolgreicher Expedition kann man das Fahrzeug dann mit einem Expedition 51 Sticker schmücken. Von Red Bay bis Labrador City warten nun 1047 km auf uns. Einmal von Flensburg bis Kufstein, mit nur 3 Städten auf dem Weg und circa 12.000 Einwohnern.
Seit die Straße in Labrador auf ganzer Länge ausgebaut ist, scheint sich die Zahl der Touristen, die sich hierher verirren, deutlich erhöht zu haben. Die Tourismusbehörde hat sich die Expedition 51 ausgedacht, um die abgelegene Region weiter zu bewerben.
Es gibt Kartenmaterial und viele andere Informationen, wobei zwei Dinge besonders in den Vordergrund gestellt werden: die Positionen der Tankstellen und der Notfallstationen. Nach erfolgreicher Expedition kann man das Fahrzeug dann mit einem Expedition 51-Sticker schmücken.
Von Red Bay bis Labrador City warten nun 1047 km auf uns. Einmal von Flensburg bis Kufstein – mit nur drei Städten auf dem Weg und insgesamt circa 12.000 Einwohnern.
Tankstellen und Notfallpunkte
Der längste Abschnitt zwischen zwei Tankstellen ist über 300 km lang und liegt zwischen Port Hope Simpson und Happy Valley–Goose Bay. Der Panda läuft mit Diesel, den es an allen Tankstellen neben Benzin gab. Unser Verbrauch liegt bei 9,5 Litern pro 100 km. Mit vollem Tank kommen wir fast 900 Kilometer weit, somit hatten wir nie ein Problem, dass uns der Sprit ausgehen könnte. Wir haben allerdings auch Leute gesehen, die ihre Fahrzeuge zwischendurch mit einem Ersatzkanister nachgetankt haben.
Auch AdBlue / DEF war an den Tankstellen erhältlich – wie zu erwarten zu astronomischen Preisen. Es empfiehlt sich daher, vorher vollzutanken.
An den Straßenbaudepots wurden Notfallpunkte eingerichtet. Dort wird über Starlink offenes Internet angeboten. Wer möchte, kann sich außerdem weiterhin Satellitentelefone ausleihen. Mobilfunk gibt es nur in unmittelbarer Nähe der Städte, ansonsten bleibt das Handy stumm.
Tiere
Fahrt auf keinen Fall in der Dämmerung oder bei Nacht. Diese Warnung kennen wir schon aus Neufundland, und auch hier sind es die Elche, vor denen man sich in Acht nehmen soll. Die Schwarzbären scheinen eher harmlos zu sein, solange man nicht zwischen Mama Bär und ihr Junges gerät. Ansonsten gibt es noch jede Menge kleinere Säugetiere und viele Vögel.
Die Grey Jays sind ziemlich clever. Wenn ein Auto an einem der beliebteren Rastplätze auftaucht, versuchen sie, etwas abzubekommen. Sie merken aber genauso schnell, wann es sich nicht lohnt zu betteln.
Auf dem Gebiet der Insekten hat Labrador ein besonders nervtötendes Exemplar zu bieten: Blackflies. So groß wie Fruchtfliegen finden sie innerhalb von Minuten jeden Zentimeter Haut, der nicht bedeckt ist, und stechen zu. Die Stiche jucken wie Mückenstiche, und es ist nicht daran zu denken, gemütlich draußen zu sitzen. Die Biester scheinen sich auch von den meisten Anti-Moskito-Kerzen und Ähnlichem nicht abschrecken zu lassen. Wind und Regen scheinen das Einzige zu sein, was sie aus ihrer Flugbahn wirft.
Wir hatten schon in Neufundland gehofft, einen Elch zu sehen, aber bis wir Labrador verlassen, werden wir keinen einzigen zu Gesicht bekommen. Auf der einen Seite ist das gut – so landet auch keiner auf unserer Motorhaube –, aber in sicherer Entfernung zur Straße wäre es schon schön gewesen.
Übernachten am Highway
Entlang des Highways gibt es immer wieder Parkbuchten. Einige sind durch einen Erdwall vom Highway getrennt, andere liegen direkt an der Straße. Da aber wirklich nur sehr wenige Fahrzeuge Nachts unterwegs sind ist es eigentlich immer gespenstig ruhig nach Sonnenuntergang. Manche sind klein und bieten nur Platz für Autos und kleinere Camper. Die größeren können auch LKW mit Überlänge und Überbreite beherbergen.
Man darf überall stehen, solange man keine Zufahrtswege blockiert. Dabei sollte man immer im Kopf behalten, dass es teuer wird, wenn man sich festfährt und der nächste Abschleppdienst 200 km entfernt ist.
Port Hope Simpson
Wie alle Städte und Dörfer, durch die wir fahren, ist auch Port Hope Simpson als Arbeitersiedlung entstanden. Hier wurde vor allem Holz geschlagen und gefischt. Mit dem Ausbau des Trans-Labrador Highways wurden diese beiden Wirtschaftszweige um den Tourismus ergänzt. So leben auch heute noch über 400 Menschen in Port Hope Simpson.
Das wichtigste Gebäude im Ort ist vermutlich die Tankstelle, die gleichzeitig als Gemischtwarenladen fungiert. Alle, die nach Happy Valley–Goose Bay unterwegs sind, machen hier Halt und tanken voll.
Wir übernachten am Dorfrand an einem See und machen uns am nächsten Tag auf den längsten Abschnitt des Highways ohne Tankstellen oder Dörfer. Die Sehenswürdigkeit des Dorfes ist der riesige rote Stuhl an der Tankstelle. Er ist der größte in unserer Fotosammlung und lässt selbst den Panda klein aussehen.
Happy Valley - Goose Bay
Wir fahren in zwei Etappen nach Happy Valley–Goose Bay. Mit rund 8.000 Einwohnern ist es die größte Stadt der Region. Unterwegs sitzt weit vor uns etwas Schwarzes auf der Straße: ein Schwarzbär, der ganz entspannt die Fahrbahn überquert. Als wir näher kommen, entscheidet er sich dann aber doch, schnell im Wald zu verschwinden.
Happy Valley entstand als Arbeitersiedlung für die Goose Bay Air Force Base. Deren Bau begann 1941, und sie ist der größte Militärflugplatz in Nordostamerika. Einige der Maschinen stehen heute als Deko in der Stadt. Erst 1992 wurde Happy Valley–Goose Bay an die Schotterstraße zwischen Wabush und Baie-Comeau angeschlossen. Bis dahin war die Stadt hauptsächlich per Schiff und Flugzeug erreichbar. Seit 2009 ist der Trans-Labrador Highway vollständig ausgebaut, und von St. Barbe sind es „nur“ noch acht Stunden mit dem Auto.
Nach einem Lauf auf dem Birch Creek Trail gehen wir nepalesisch essen und fahren anschließend noch nach North West River. Dort kann man fantastische Sonnenauf- und -untergänge sehen. Die Straße dorthin sollte mittlerweile auch frisch asphaltiert, wir mussten jedoch noch mitten durch eine Baustelle und wurden dabei ordentlich durchgerüttelt.
Auf dem Weg kommt man an einem Obst- und Gemüse-Großhandel vorbei. In dem Kühlhaus kann man sich mit allem möglichen frischen Grünzeug eindecken – die lokalen Supermärkte und Lebensmittelläden sind da eher schlecht aufgestellt. Alles, was hier ankommt, muss entweder eingeflogen oder über mehr als 1.000 Kilometer per LKW herangeschafft werden.
Churchill Falls
1967 wurde die Churchill Falls Generating Station fertiggestellt. Ein unterirdisches Wasserkraftwerk, das über 88 Dämme vor allem durch den Churchill River gespeist wird. In der Arbeitersiedlung leben rund 700 Menschen. Es gibt einen relativ großen Sportkomplex, den selbst Touristen kostenlos benutzen dürfen, sowie einen eigenen Skihang mit Lift.
Wir übernachten auf dem Parkplatz des Lifts und gehen am Morgen noch eine Runde schwimmen, bevor wir weiter Richtung Labrador City fahren. Kurz hinter dem Flughafen und der einspurigen Brücke fahren wir links auf den Wanderparkplatz und spazieren zum Aussichtspunkt um den Wasserfall zu sehen.
Labrador City
Kurz vor Labrador City erreichen wir den nördlichsten Punkt unserer Reise. Von hier an geht es tatsächlich nach Süden. In dieser Region dreht sich alles um den Bergbau. Vor allem Eisenerz wird an der Grenze zwischen Labrador und Québec abgebaut. Mit rund 2.000 Einwohnern ist Labrador City das Zentrum der Region.
Wie Happy Valley ist auch Labrador City eine richtige Stadt, inklusive eines Ford-Händlers – was für uns ein Glück ist. Circa hundert Kilometer vor Labrador City geht plötzlich die ABS-Warnleuchte an, und der Tempomat sowie die Einparkhilfe fallen aus. Das Auslesegerät zeigt, dass die Geschwindigkeitsmessung hinten links defekt ist. Ob es der Sensor oder der Ring ist, können sie uns aber nicht sagen. Zeit für eine Reparatur gibt es leider auch nicht. Wir können aber zunächst weiterfahren; solange kein Schnee liegt, sollte das kein Problem sein. Der recht junge Techniker war zudem schwer begeistert von einem Ford Transit mit manueller Schaltung – so etwas hatte er bisher auch noch nicht gesehen.
Für die kommende Strecke, mit Schotter und vielen Kurven, bringt uns der Tempomat ohnehin nichts, und Schnee scheint auch nicht in Sicht zu sein. Wir übernachten am Tanya Lake, und ich schaffe es, meine Spazierrunde um den See zu beenden, bevor das Gewitter über das Wasser zieht. Am nächsten Morgen möchte ich ein paar Runden um den See laufen und zwischendurch am Strand jeweils eine Runde Stabi-Übungen einschieben. Die Blackflies finden mich jedoch unfassbar schnell, sodass ich die Stabi-Übungen schnell wieder aufgebe.
Bevor wir Labrador verlassen, gönnen wir uns noch einen Abstecher ins Well-Bean Café und holen uns einen London Fog, den wir dann mit Blick auf den See und ein Wasserflugzeug – typisch kanadisch – im Auto genießen.