Moose

Strait of Belle Isle

Auch wenn man nicht den gesamten Labrador Highway fahren möchte, würde ich einen Abstecher hierher empfehlen. Die Überfahrt dauert weniger als zwei Stunden, und eine Reservierung ist dafür nicht unbedingt nötig. Dafür kann man von Blanc-Sablon bis Red Bay viel entdecken. Für Camper gibt es keinen Übernachtungsstress. Where it fits, it sits. Solange man nicht im Weg steht und sich benimmt, sind Wanderparkplätze oder andere öffentliche Parkplätze frei zum Abstellen des Fahrzeugs

Überfahrt St. Barbe nach Blanc-Sablon

Für die Fähre von St. Barbe nach Blanc-Sablon braucht man nicht unbedingt eine Reservierung. Wer eine besser geplante Reiseroute als wir hat, kann sich jedoch einen Platz auf der Wunschfähre sichern. Die Reederei vergibt aber nie alle Plätze für Reservierungen, sondern behält immer ein relativ großes Kontingent für den Direktkauf vor.

Der Verkauf der Tickets beginnt zwei Stunden vor Abfahrt. Wir waren überpünktlich, und an diesem Tag war noch Platz, als die Fähre ablegte. Die Überfahrt dauert im Sommer etwa 1:45 h und war sehr entspannt. Es gibt genug Platz für alle, und wer eine Stärkung benötigt geht einfach ins Bordbistro.

Wichtig ist nur, dass alle Abfahrtszeiten in Neufundland-Zeit angegeben sind. Das kann vor allem in Blanc-Sablon zu einigem Kopfzerbrechen führen.

Faehre

Zeitzonen-Wirrwarr

Neufundland und Labrador gehören zwar zur gleichen Provinz, haben aber zwei Zeitzonen. Neufundland hat nämlich eine eigene, um eine halbe Stunde verschobene Zeitzone. Zu allem Überfluss liegt Blanc-Sablon in Québec, das wiederum eine Stunde Zeitverschiebung zu Labrador und 1,5 Stunden zu Neufundland hat.

Ein Überblick:

  • St. Barbe, Neufundland: UTC -3:30
  • Blanc-Sablon, Québec: UTC -5:00
  • L’Anse-au-Clair, Labrador: UTC -4:00

Von Neufundland kommend ist die Abfahrtszeit zunächst klar – in der Zeitzone, in der man die letzten Tage/Wochen verbracht hat. Nehmen wir an, wir nehmen die 13-Uhr-Fähre von St. Barbe, rechnen der Einfachheit halber mit 2 h Überfahrt: Wir landen um 15 Uhr Neufundland-Zeit in Blanc-Sablon an. Ortszeit dort ist allerdings erst 13:30 Uhr. Fahren wir nun weiter Richtung Osten, passieren wir kurz darauf die Grenze nach Labrador – und plötzlich ist es wieder 14:30 Uhr. Wer an diesem Tag noch einen Termin hat, sollte die Uhrzeit in Neufundland-Zeit vereinbaren und den geübten Einheimischen das Rechnen überlassen. Wer keinen Termin hat, dem kann es egal sein.

Schwieriger wird es, pünktlich die Fähre in Blanc-Sablon zu erwischen. Steht auf dem Fahrplan 13 Uhr, ist das nämlich 11:30 Ortszeit und 12:30 Labrador-Zeit – da kann man schnell zu spät dran sein. Um auf Nummer sicher zu gehen, kann man eine Uhr oder ein Handy auf manuelle Zeitzone stellen und das Gerät schon einmal im Neufundland-Modus betreiben. Alternativ rechnet man vorher aus, wann man wo sein muss und welche Zeitzone dort gerade gilt.

Wir sind immer weiter dem Labrador Highway gefolgt und haben die Fähre zurück nach Neufundland nie genommen.

Point Amour

Wir biegen in Blanc-Sablon direkt Richtung Osten ab. Leider war die Touristeninformation in L’Anse-au-Clair bereits geschlossen. Die Provinz Labrador bietet an, für die Fahrt auf dem Trans-Labrador Highway ein Satellitentelefon auszuleihen. Dieses kann man an verschiedenen Stellen entlang des Highways ausleihen und am Ende der Fahrt wieder zurückgeben.

Wir verlassen uns auf unseren Starlink und hoffen, dass wir damit durchkommen. Mobilfunk gibt es nur in direkter Nähe der Städte. Unsere Karte weist Point Amour als National Historic Site aus, und da die Sonne noch nicht zu tief steht, wird das unser Ziel für diesen Tag.

Ein schöner Leuchtturm, etwa 30 Kilometer östlich von Blanc-Sablon, steht strahlend weiß über der Strait of Belle Isle. Wir machen einen kleinen Spaziergang auf einem Pfad, der auf der gegenüberliegenden Seite des Parkplatzes aus dem Gelände des Leuchtturms hinausführt. Am Wasser angelangt, steht man vor den Resten der HMS Raleigh, einem Cruiser der britischen Marine, der 1922 hier zunächst auf Grund lief und dann unterging. Elf Seeleute starben, die verbliebene Crew von 786 Mann wurde vom Leuchtturmwärter und der lokalen Bevölkerung aufgenommen.

Entlang der Küste verläuft auch der Pioneer Footpath, der am nächsten Tag zu unserer Laufstrecke werden soll. Auf dem Rückweg laufen wir noch einmal zum in der Sonne stehenden Leuchtturm. Für die Nacht bleiben wir einfach auf dem verlassenen Parkplatz stehen und genießen den sternenklaren Himmel sowie das Lichtspiel des Leuchtturms. Diesmal geht auch nicht mitten in der Nacht das Nebelhorn an.

PointAmor

Red Bay

Red Bay wirkt zunächst wie ein weiteres kleines Fischerdorf an der Küste – wäre da nicht Saddle Island, eine Insel in der Bucht, mit seinen „magischen Steinen“, die eine der frühesten europäischen Besiedlungen Labradors belegen.

Wir kommen am Nachmittag in Red Bay an und streifen noch durch das Museum der National Historic Site. Die Mitarbeiterinnen überzeugen uns, am nächsten Morgen an der geführten Tour auf Saddle Island teilzunehmen. Sie empfehlen uns auch die beiden Wanderwege auf der anderen Seite der Bucht, wo man auch problemlos übernachten kann. Der eine Wanderweg führt zum Strand, an dem die Walköpfe gelagert wurden. Noch heute findet man dort Walknochen zwischen den Steinen. Zunächst sehen sie wie gewöhnliche Steine aus, doch einige lassen sich als riesige Wirbel identifizieren. Der zweite Wanderweg ist im Grunde eine einzige lange Treppe. Im Treppensteigen sind wir ja inzwischen geübt, und der Blick bei Sonnenuntergang auf Red Bay ist einfach wunderbar.

Ein weiterer Tipp: Man solle Fish and Chips im besten Restaurant des Dorfes essen, die Milchshakes seien ebenfalls fantastisch. In Red Bay gibt es genau ein Restaurant – dass es wirklich gut ist, bestätigen zwei Reisende, mit denen wir uns den Übernachtungsplatz am Trailhead teilen. Wir haben jedoch schon aufgetauten Heilbutt im Kühlschrank und müssen beim Restaurantbesuch passen.

Der geführte Spaziergang am nächsten Morgen lohnt sich auf jeden Fall. Mit einem kleinen Boot geht es rüber auf die Insel und dann einmal drum herum – mit vielen spannenden Geschichten. Schon länger war bekannt, dass die Basken ab 1550 im Frühjahr zum Walfang in den Nordatlantik gezogen waren und im Herbst mit viel Walfischöl zurückkehrten. Wo genau sie die Wale jagten und verarbeiteten, war jedoch lange unklar. In den 1970er Jahren begann die kanadisch-britische Historikerin Selma Barkham, die Baskischen Walfänger zu erforschen. In unzähligen Stunden in Archiven in Baskenland, Spanien und Portugal sammelte sie immer mehr Informationen. Schließlich reiste sie nach Labrador und besuchte Red Bay auf der Suche nach Spuren der Walfänger. Die Kinder von Red Bay zeigten der Forscherin die „magischen Steine“, mit denen sie malen konnten – und Selma Barkham war deutlich begeisterter, als die Kinder erwartet hatten. Tatsächlich handelte es sich bei den Steinen um Dachziegel, die die Basken für den Hüttenbau mit nach Labrador gebracht hatten. Die harten Winter in Labrador lassen Dachziegel allerdings springen, weshalb Dächer bis heute ausschließlich mit Holz oder Dachpappe gedeckt werden. Einmal am Richtigen Ort, wurden schnell viele weitere Überreste der Walfänger gefunden. Ein besonders begehrtes Artefakt war das Wrack der 1565 gesunkenen San Juan. Um dieses zu finden, half ein anderes Schiff, das unter ähnlichen Bedingungen wie damals vor Red Bay auf Grund lief. Das Wrack liegt immer noch vor Saddle Island. Von dort aus starteten Archäologen Tauchgänge und fanden beim dritten Versuch die San Juan. Heute liegt sie zu großen Teilen noch am Boden der Bucht. Mehrere Schichten von Sand und reißfesten Materialien schützen sie vor den Eisbergen die im Winter über den Boden der Bucht kratzen. Ab 2026 soll es dort nicht nur Führungen auf der Insel geben, sondern auch eine kleine nachgebaute baskische Walfangstation. Wie im Wikingerdorf in L’Anse aux Meadows sollen dann Mitarbeiter in zeitgenössischer Kleidung arbeiten und den Besuchern vom Alltag der Walfänger erzählen.

RedBay

Labrador Tea

Unter dem Oberbegriff Labrador-Tee werden eigentlich drei Pflanzen der Familie der Rhododendren zusammengefasst, die überall in Labrador wachsen. Sie haben dunkelgrüne, nadelartige Blätter, deren Unterseite zu einem hellen Gelb wechselt, wenn sie „reif“ sind. Diese Blätter enthalten viel Vitamin C und können getrocknet und zu einem Tee aufgegossen werden. Für die Innu war der Tee ein wichtiger Vitamin‑C-Lieferant.

Die Innu wanderten über weite Strecken zwischen verschiedenen Quartieren, und alles – auch der Tee – musste getragen werden. Um den Kindern dieses Prinzip beizubringen, wurden Puppen mit getrocknetem Tee gefüllt. Die Kinder trugen diese Puppen und lernten so spielerisch, dass jeder einen Teil zur Gemeinschaft beiträgt. Die eigentliche Funktion der Puppen wird heute nicht mehr benötigt, aber die Tradition wird weiterhin gepflegt. Hier ein Artikel von CBC.

LabradorTee